»Don‘t feed the troll« lese ich in den letzten Tagen immer wieder. Mir ist die Parole bekannt und ich habe sie selbst schon empfohlen – z. B. wenn Frau O. mal wieder in einem Forum über lesbische Literatur auftauchte und unter zehn verschiedenen Accounts ein Buch »besprach«. Einer ihrer Lieblingssätze war die Behauptung, das jeweilige Buch sei auf Klopapier gedruckt worden.
Mit ihr kenne ich mich aus und weiß, wie ich sie einschätzen muss. Das gilt auch für S., der unter dem Namen einer Frau ebenfalls in Autorenforen gern Gift verspritzt, sich am liebsten »Erstlinge« vornimmt und sie nach Strich und Faden schlecht macht. Wohl wissend, wie entsetzt und verletzt frischgebackene Autor_innen reagieren können.
Aber was all die netten Menschen, die momentan mit dieser Parole hausieren gehen, nicht zu verstehen scheinen:
Der Chat neben dem Live Stream hat nicht deshalb so viel Aufregung verursacht, weil dort Trolle unterwegs waren und ein paar überkandidelte Frauen nicht in der Lage sind, das zu verstehen oder zu unterscheiden. Sondern weil es mehr und mehr Erfahrungen mit realen Stalkern gibt, die mal »nur« Zeitungsabos für uns abschließen und dann mal kurz mit Mord drohen … und mich und andere Frauen bereits sehr viel Zeit, Energie, Nerven und Geld kostet haben.
Und ich würde wirklich gerne mal von diesen Leuten eine Antwort auf meine schon häufig gestellt Frage erhalten:
Woran kann ich einen Troll von einem Stalker unterscheiden? Wie bekomme ich Gewissheit, dass der Typ, der im Chat brüllt: »arschverletztes Schlampenpack« nicht auch der ist, der mir heute telefonisch drohte, mich und meine Hunde demnächst im Wald abzuknallen?



[quote name="Sammelmappe"]Meine Einschätzung ist, dass die Antwort “Don’t feed the trolls” auf die Ereignisse bei der re:publica von vielen verwendet wird, denen das Thema zu unangenehm und kompliziert ist.
Die Devise ist wegschauen, weghören und sich dann den anderen – angenehmeren – Themen zuzuwenden.[/quote]
Ja, genau so sehe ich das auch. Allein die Bezeichnung “Trolle” gibt dem Ganzen eine so “kindlich niedliche” Note. Wie man eben bei frechen Kindern argumentieren würde: Die machen nur Spaß; lass ihnen doch das Vergnügen; je mehr du dich ärgerst, um so mehr freuen sie sich.
Aber: Das sind eben keine Kinder, und das ist kein Spaß!
Ich finde, die Definition von “Spaß haben” geht in dieser Diskussion auf Kosten anderer – nämlich der Opfer.
Freiheit ist ein hohes Gut! Ja, aber eben diese Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit anderer beschränkt. Die Freiheit, einen Stream zu verfolgen; die Freiheit, keine Beleidigungen oder Morddrohungen im Maileingang zu haben; die Freiheit, offen für Überzeugungen einzustehen.
@Verena: Bei Myspace u.a. erübrigt sich das Impressum, weil diese Seiten in aller Regel im Ausland gehostet werden. Es gilt stets das Landesrecht. In Deutschland gibt es die Vorschrift der sog. “Anbieterkennzeichnung” nach Telemediengesetz. Dies schreibt für Anbieter “nachhaltiger und dauerhafter” Angebote die Pflicht zur Veröffentlichung bestimmer Daten vor. Und private Blogs zählen auch dazu. Siehe hier: [url] [/url]
Allerdings sind Initiativen in der Entstehung, die sich die Abschaffung diesr Verpflichtung für private Webseiten aufs Programm geschrieben haben.
PiratenweibZitieren
Meine Einschätzung ist, dass die Antwort “Don’t feed the trolls” auf die Ereignisse bei der re:publica von vielen verwendet wird, denen das Thema zu unangenehm und kompliziert ist.
Die Devise ist wegschauen, weghören und sich dann den anderen – angenehmeren – Themen zuzuwenden.
SammelmappeZitieren
frage: ist es eingentlich pflicht, auf blogseiten wie diesen ein impressum anzugeben? also mit richtigem namen und anschrift? denn dadurch entblößt man sich ja sehr. “dem gesetzgeber” war wohl nicht bewusst, dass handfesten bedrohungen zu rechnen hat, wer z.b. feministische oder lesbische themen verhandelt. bedrohungen, so wie Du sie beschreibst … ich halte das mit der impressumspflicht in diesem fall für ein echtes problem. gleichwohl: auf myspace-seiten stehen doch auch nicht name und anschrift dabei. jedenfalls sind sie nicht öffentlich einsehbar.
wie man sich gegen stalker und trolle wehren kann, ich bin mir auch noch nicht sicher. öffentlich thematisieren ist ja schon ein schritt. denn viele leute können ja gar nicht glauben, dass es sowas gibt.
viele grüße und einen schönen sonntag,
verena
verenaZitieren
@Verena
http://www.karnele.de/WP/?p=343
NeleZitieren
@nele,
ja super, ich habe gerade deinen link gelesen. genauso wie du es sagst, ist es. das mit den mails an verantwortlich ist eine gute idee. hast du schon mal antworten erhalten? ich weiß auch nicht genau, an WEN, also welche gruppen von verantwortlichen, könnte ich die schicken? kannst du mir vielleicht EIN beispiel nennen. ich beschäftige mich erst seit vorgestern mit dem thema …
viele grüße
verena
verenaZitieren
@Verena
Ja, ist es in Deutschland. Es ist allerdings nach neuestem Urteil nicht mehr notwendig, die Telefonnummer anzugeben. Wer das nicht will, muss im Ausland hosten.
//
Zu den Trollen/Stalkern etc.: die gehören zu einer verhältnismäßig prominenten Figur dazu. Auch im Web. Wer kritisch schreibt, macht nunmal ganz besonders solche Leute auf sich aufmerksam. Wer unkritisch schreibt übrigens auch.
creezyZitieren
@creezy
Meine Frage kannst Du aber anscheinend auch nicht beantworten:
“Wie bekomme ich Gewissheit, dass der Typ, der im Chat brüllt: »arschverletztes Schlampenpack« nicht auch der ist, der mir heute [also letzten Mittwoch] telefonisch drohte, mich und meine Hunde demnächst im Wald abzuknallen?
Nele
NeleZitieren
ich kann @creezy da nur zustimmen, auch auf die gefahr hin mich hier kollektivem unmut auszusetzen. do. not. feed the. trolls. die meisten von denen sind tatsächlich keine gestörten psychokiller, sondern einfach nur leute die aus langeweile, mangel an selbstbewusstsein etc. gerne emotionale reaktionen von anderen provozieren.
zu deiner frage: kein mensch kann dir diese gewissheit geben, nele, aber das weisst du ja auch selber. es ist auch nicht die aufgabe eines website betreibers, kommentators in deinem blog oder der gesellschaft dir diese gewissheit zu geben.
daher die gegenfrage: was ist denn dein vorschlag? zensur jeglicher online-kommunikation? ich habe mich mit dieser ganzen diskussion um die republica sache nicht so intensiv beschäftigt wie manch andere hier, aber selbst als feministische, schwarze frau muss ich sagen die dramatik mit der das diskutiert wird und man fix von trolls im online channel über kommentatoren in blogs zu todesdrohungen und vergewaltigern im wald angekommen ist finde ich kontraproduktiv. ich kann verstehen, dass einem das anders nahe geht wenn man sich selber, subjektiv bedroht fühlt.
aber was ist denn die lösung aus eurer sicht? oder geht es hier nur darum, dass die “anderen” eingestehen wie scheisse das war? denn ich glaube die tatsache das sich darüber alle einig sind ist ein wenig untergegangen…
nomsaZitieren
@nomsa
Ich habe ja geschrieben, dass ich den Rat “Don’t feed the trolls” selbst schon erteilt habe. Trollkommentare hier auf der Karnele werden einfach gelöscht – wenn ich sie erkenne
[quote]man fix von trolls im online channel über kommentatoren in blogs zu todesdrohungen und vergewaltigern im wald angekommen is[/quote]
Da empfehle ich Dir die Kolumne “Gewalt gegen bloggende Frauen” und vielleicht auch die weiterführenden Links zu lesen, evtl. auch “Sehr geehrter Herr Stalker”. Man ist nicht “fix” dort angekommen, sondern diese Dinge von Zeitungsabos über Warenlieferungen bis hin zu Morddrohungen sind seit vielen Jahren für mich und andere Frauen Realität. Und meiner Meinung nach werden wir bald Verhältnisse wie in den USA haben, wo es nicht bei Drohungen geblieben ist, wenn sich nicht etwas an der Mentalität “Die wollen nur spielen, ignorieren hilft” ändert.
[quote]oder geht es hier nur darum, dass die “anderen” eingestehen wie scheisse das war? denn ich glaube die tatsache das sich darüber alle einig sind ist ein wenig untergegangen.[/quote]
Darum ging es mir hier zwar nicht, ich wollte einfach mal meine Frage beantwortet haben …
… aber grundsätzlich sprichst Du damit auch etwas Wichtiges an. Nach meinen Informationen haben es die Veranstalter bisher nicht für nötig gehalten, mal mit drei Leutchen vom Podium Kontakt aufzunehmen. Was ich persönlich einfach für sehr unhöflich halte.
Gruß
Nele
NeleZitieren
@nele
sorry, dass ich dein blog hier als diskussionsplatform missbrauche
aber es interessiert mich wirklich, worum es hier geht.
ich will das gar nicht relativieren, dass es das gibt, dass frauen (und andere minderheiten, und aber auch männer) von internet-stalkern bedroht werden.
[quote]Und meiner Meinung nach werden wir bald Verhältnisse wie in den USA haben, wo es nicht bei Drohungen geblieben ist, wenn sich nicht etwas an der Mentalität “Die wollen nur spielen, ignorieren hilft” ändert.[/quote]
verhältnisse wie in den USA? ich glaube auch in deutschland sind drohungen und gewalt gegen menschen schon vorgekommen…
[quote]Wie bekomme ich Gewissheit, dass der Typ, der im Chat brüllt: »arschverletzte s Schlampenpack« nicht auch der ist, der mir heute [also letzten Mittwoch] telefonisch drohte, mich und meine Hunde demnächst im Wald abzuknallen?[/quote]
ich finde, dass du es dir einfach machst wenn du von anderen eine antwort auf so eine frage erwartest. keiner kann dir diese gewissheit geben, niemals.
was ist denn die lösung? es gibt keine lösung. leute die beleidigende kommentare schreiben sind eine sache. leute die andere bis in ihr privatleben hinein stalken eine andere. das eine hat für mich mit dem anderen nur insofern was zu tun das letztere auch ersteres vielleicht gerne tun.
wem ist denn damit geholfen solchen zwischenfällen eine solche bedeutung beizumessen? wie du selber sagst, nicht die trolle beim chat waren das problem, sondern die realen stalker. warum wird das denn dann immer wieder in einen topf geschmissen? oder anders: was haben die organisatoren mit den stalkern zu tun?
wenn ich nach brandenburg fahre und dort von nazis beschimpft werde erwarte ich keine entschuldigung von ossis die das selber scheisse finden.
mich würde tatsächlich mal interessieren was andere für die lösung halten. meiner meinung nach braucht es keine lösung für kommentare und chats, es braucht eine lösung wie leuten die bedroht werden besser geholfen werden kann. die typen die sowas machen tun das nicht erst seitdem es das internet gibt, und werden es auch dann noch tun wenn der letzte chat abgeschaltet ist. nur dann eben nicht so öffentlich.
nomsaZitieren
@nele
@piratenweib
vielen dank für eure infos! das hat mir schon sehr viel weitergeholfen.
@creezy
… ich denke nicht, dass es in diesem blog darum geht, ausschließlich “frauen” als “opfer” darzustellen. aber es gibt eben ganz spezifische anfeindungen. sicherlich auch bei bestimmten themen, “feminismus”, “lesben.themen” oder auch themen wie “arbeitslosigkeit”, die du angesprochen hast. da werden ganz tief verankerte denktmuster infrage gestellt. und das darf für viele menschen (leider) nicht sein.
ich finde, wir sollten hier “frauen” und “männer” nicht gegeneinander ausspielen. sondern gemeinsam nach lösungsansätzen suchen.
das thema “trollerei” muss aber nach wie vor thematisiert werden (ohne dass man auf trollereinen im konkreten fall eingeht, das ist richtig.)
@nomsa
ein blog ist doch eine diskussionsplatform, von daher …
du meinst, nele macht es sich zu einfach? ich denke nicht. das ist doch eine gute möglichkeit um lösungsvorschläge von anderen zu erfragen.
“wem ist denn damit geholfen solchen zwischenfällen eine solche bedeutung beizumessen?”
… na ja, solche “zwischenfälle” haben eine bedeutung. man sollte sie thematisieren. es stellt sich die frage, wie man das tut, ohne die verursacher dieser zwischenfälle aufzuwerten.
“wenn ich nach brandenburg fahre und dort von nazis beschimpft werde erwarte ich keine entschuldigung von ossis die das selber scheisse finden.”
klar, “erwarten” kann man im prinzip nie etwas. aber “einfordern” schon. das wäre legitim.
verenaZitieren