Noch gestern früh hätte ich eine Frage nach Sally Ride nicht beantworten können. Raumfahrt und/oder Astronaut_innen gehörten noch nie zu meinen Interessengebieten. Das Schicksal der armen Laika hat mir schon im Kindergarten jeden möglichen Spaß daran verdorben. »Nee, zurückgekommen ist der Hund nicht mehr. Den haben bestimmt die Marsmenschen gefressen«, wurde mir damals von einem gleichaltrigen Alleswisser erklärt.

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Doku, 10.11., 23:35 Uhr, RBB

Zwei schwule Filmemacher widmen sich homosexuellem Leben und Lieben in der DDR – werde ich mir auf jeden Fall ansehen, denn darüber weiß ich eigentlich fast nichts. Außer der Aussage einer lieben Hete aus Halle/Saale: »Bei uns gab es auch so Frauen wie dich. Persönlich habe ich aber nie eine kennengelernt.«

»Ich habe es ja gewusst, Ihr seid gar nicht lesbisch, Ihr tut nur so!«

Nicht die erste Mail dieser Art, ich kenne die Absender. Nicht persönlich, aber als Spezies. Männer meiner Generation. Frauenversteher, Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger politisch irgendwo im links-alternativen Milieu angesiedelt, mit großem Verständnis für Frauen, die Frauen lieben. Bei all den männlichen Idioten, die keine Ahnung hatten, wo sich die Klitoris befindet, war dieser Seitenwechsel schließlich kein Wunder. Aber sie selbst hatten ihre Hausaufgaben gemacht, sie hatten Alice Schwarzer gelesen, sie wussten Bescheid. Wenn frau sie doch nur mal ranlassen würde, dann wäre dieses Lesbending ganz schnell wieder erledigt.

...weiterlesen "Munition für die Frauenversteher"

Willkommen in der WG

Lesbisch für Anfängerinnen

Butze Verlag, ISBN 978-3-940611-05-5

Tina, 30 Jahre alt und Sachbearbeiterin bei einer Versicherung, erwischt ihren Freund zum wiederholten Male bei einem Seitensprung. Sie hat von seinem Verhalten endgültig genug und beschließt, sich von ihm zu trennen. Der Zettel am Schwarzen Brett im Frauenbuchladen „Frauen WG sucht neue Mitbewohnerin“, scheint ein Wink des Schicksals zu sein. Nach einem kurzen Gespräch mit der chaotischen Suse organisiert sie sofort ihren Umzug. Dem Freund hinterlässt sie nur einen Zettel mit ein paar Worten.

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Ein Landschulheim in Südtirol in den siebziger Jahren. Die Herbergseltern sind nett, das Essen einigermaßen genießbar, nur die Stockbetten mit den durchgelegenen Matratzen sind eine Katastrophe.

Wir Mädchen, oder wie es heute politisch korrekt heißen würde: wir jungen Frauen, sitzen alle neben-, über- und untereinander in einem Zimmer und malen uns unsere Zukunft aus. Nicht unsere Berufliche, nein bewahre, über unsere zukünftigen Schlafzimmer reden wir. Angesichts der Betten wahrscheinlich kein überraschendes Thema. Mein Traum: ein Zimmer ganz in Blau mit einem großen runden Bett für mich allein, ohne weitere Möbel.

...weiterlesen "Klassentreffen"

Ich bin alt, so schrecklich alt, Omas Alter ist nicht mehr weit von mir entfernt. Das mache ich nicht nur an meinen grauen Haaren fest, die kann ich ja färben und mir so beim Blick in den Spiegel eine andere Wirklichkeit vorgaukeln.

Auch die Tatsache, dass eine zwei Jahre jüngere Freundin vor Kurzem Großmutter geworden ist, habe ich noch einigermaßen gut verkraftet und meinen Kindern in einem ernsten Gespräch einfach das Kinderkriegen in den nächsten zwanzig Jahren untersagt.

...weiterlesen "Graue Haare und lange Finger"