Lange Zeit hatte ich den Eindruck, ich sei die Einzige, bei der diese alten Geschichten Spuren hinterlassen haben. Regelmäßig träume ich von Soldaten, die das Haus meiner Großeltern durchsuchen – dabei wurde dieses erst nach dem Krieg gebaut. In den letzten Jahren jedoch haben mir Gleichaltrige von ähnlichen Albträumen erzählt. Bei einer Frau traten während der Wechseljahre zum ersten Mal unerklärliche Panikattacken auf. Mittlerweile ist sie davon überzeugt, dass die Anfälle mit den Kriegserzählungen während ihrer Kindheit zusammenhängen.
Meine Tochter war in der Schule, mein Sohn im Kindergarten, als es klingelte. Ein uniformierter Polizist stand vor Tür. »Bei Bauarbeiten auf der anderen Straßenseite ist eine Fliegerbombe gefunden worden. Sie müssen umgehend Ihre Wohnung verlassen«, teilte er mir mit und wartete, bis ich zwei Kuscheltiere meiner Kinder und mein Köfferchen mit den Dokumenten gefunden hatte.
Die ältere Nachbarin von oben kam leichenblass die Treppe herunter und jammerte laut: »Früher konnten wir wenigstens in einen Luftschutzbunker gehen.« Am nächsten Tag erfuhr ich, dass sie wegen eines Nervenzusammenbruchs in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Meine Kinder machten mir lautstarke Vorwürfe, weil ich in der Aufregung die Meerschweinchen vergessen hatte.
Einige Jahre später hörte ich im Radio, dass in dem Stadtteil, wo meine Oma wohnte, ebenfalls bei Bauarbeiten eine Fliegerbombe gefunden worden war. Erst viele Stunden danach konnte ich sie telefonisch erreichen. Sie war mit ihrem Köfferchen zum Bahnhof gegangen, nachdem die Polizei sie beinah schon mit Gewalt aus ihrer Wohnung geholt hatte. »Ich habe gedacht, nun ist alles futsch und wollte mal gucken, wohin ich fahren kann«, erklärte sie mir. Weiterlesen »
Langjährige Seifenopern leben auch von dem gelegentlichen Austausch der Darstellerinnen und Darsteller. Sinkt die Einschaltquote und sollen neue Gesichter frischen Schwung in die Geschichte bringen, greifen DrehbuchautorInnen häufig zu einem probaten Mittel: Sie lassen tot geglaubte oder gänzlich unbekannte Verwandte der Serienfiguren auftauchen. Da erscheint der uneheliche Sohn des sonst so biederen Hauptdarstellers oder der im Zweiten Weltkrieg verschollene Bruder plötzlich höchst lebendig aus dem Nichts auf und sorgen für neue Handlungsstränge mit Irrungen und Wirrungen.
»Was für ein Blödsinn«, denkt frau mitweilen und beschließt vielleicht sogar, sich diesen Quatsch nun wirklich nicht mehr länger anzusehen. Der Liebsten und mir erging es vor einigen Jahren so mit den »Fallers«, einer Serie über eine Bauernfamilie aus dem Schwarzwald. Weiterlesen »






Die neusten Kommentare