Am Wochenende haben wir uns zwei Staffeln von Brothers & Sisters angesehen. In einer der ersten Folgen beschwert sich die Mutter (Sally Field), weil ihr schwuler Sohn sich weigert, sie mit zum CSD zu nehmen. Später ist die Rede davon, dass die Mutter als Mitglied eines Vereins oder einer Gruppe „Eltern von lesbisch-schwulen Kindern“ beim CSD mitgelaufen sei.

Am 9. August wird der CSD Rhein-Neckar unter dem diesjährigen Motto „Different Not Dangerous!“ wieder durch die Mannheimer Quadrate ziehen. Obwohl es sich sozusagen um unseren regionalen CSD handelt, sind die Liebste und ich erst einmal dabei gewesen. Der Augusttermin lag und liegt einfach sehr ungünstig und passt(e) nie in unsere Zeitplanung. Trotzdem haben wir in einem Schatzkästle Kondome, Streichholzschachteln, Aufkleber, Bonbons und noch mehr Kleinigkeiten, die jedes Jahr von den teilnehmenden Gruppen aus dem Rhein-Neckar-Raum unters Volk gebracht wurden.

...weiterlesen "Von der Tante, die Spaß an Faschingsumzügen hatte"

Gestern Abend wurde bei Günther Jauch über Altenpflege in Deutschland gesprochen. »Kostenfaktor Oma – wird Pflege unbezahlbar?« lautete der Titel der Sendung. Kam mir irgendwie bekannt vor, weshalb ich mir entgegen meiner sonstigen Gewohnheit – Jauch darf sonst eigentlich nicht auf unseren Bildschirm – heute früh die Wiederholung angesehen habe.

Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt berichtete, was sich in den letzten Jahren gesetzlich bei der Pflege geändert habe und in Zukunft noch ändern werde: Von einem Kofferraum voller Formulare sei man inzwischen bei einer LKW Ladung gekommen und wollte zurück auf den Laderaum kleinen Busses oder so ungefähr wenigstens. Ein Herr Spahn von der CDU behauptete unverfroren, selbst wenn Oma sich das Pflegeheim nicht leisten könne, würden Angehörige nur in wenigen Ausnahmefällen finanziell herangezogen und diejenigen, die anderes behaupteten, hätten nur Angst um ihr Erbe. Ein Schweizer erzählte von seinem Altenheimprojekt in Thailand und ein Mann von den Gründen, weshalb seine Mutter in einem Heim in der Slowakei gepflegt wird. Bei einer Moderatorin wurde ständig eingeblendet: »Pflegte fünf Jahre ihre Großmutter«, richtiger wäre wohl gewesen: »Ließ die Großmutter bei sich wohnen und bezahlte die nötigen Pflegekräfte«. Der Leiter eines Altenheims versuchte … Ja, was? Spontan würde ich sagen, nicht auszuflippen, wenn das Gelabere von Schmidt und Spahn sowie Jauchs Fragen allzu realitätsfremd daherkamen.

...weiterlesen "Update: Billige Gefriertruhe für Oma gesucht"

Kommt das bekannt vor?

Die NPD plant eine öffentliche Veranstaltung. In der betroffenen Stadt versucht man, das zu verhindern, erteilt keine Genehmigung oder spricht ein Verbot aus. Als Nächstes ziehen die Nazis vor Gericht, wo aufgrund der Rechtslage den Jurist_innen nichts anderes übrig bleibt, als den Aufmarsch zu erlauben. Bürger_innen sind empört, rufen zu einer Gegendemonstration auf und schließlich müssen Hundertschaften der Polizei die Naziveranstaltung schützen.

...weiterlesen "NPD Aufmärsche in der Kurpfalz: seit Jahrzehnten immer derselbe Ablauf"

Toni und Chris sind zwei nette Menschen. Sie lernen sich kennen, sie verlieben sich ineinander, sie lieben sich, sie ziehen zusammen. Klein-Toni wird geboren und drei Jahre später kommt Klein-Chris zur Welt. Fast wie im Bilderbuch, eine glückliche Familie mit zwei Kindern. Doch eines Tages läuft es nicht mehr so gut in der Beziehung, es gibt häufig Streit und gerade als Klein-Toni eingeschult wird und Klein-Chris in den Kindergarten kommt, trennt sich das Paar.

 

Chris zieht aus und die Kinder bleiben bei Toni. Oder Toni zieht aus und die Kinder bleiben bei Chris. Ich habe bewusst das Geschlecht der beiden offen gelassen. Denn für den folgenden Ablauf ist es vollkommen egal, ob es sich um Anton und Christiane oder Antonia und Christian oder Anton und Christian oder Christiane und Antonia handelt. Wichtig ist nur: In der Regel geht bei einer Trennung eine Person und die andere bleibt bei den Kindern. Der Einfachheit halber entscheide ich mich jetzt für: Toni bleibt, Chris geht.

8 ½ 9 Stunden am Tag verbringt Toni am Arbeitsplatz, ganz genau wie Chris. Es gibt es Menschen, die erreichen ihre Firma in fünf Minuten zu Fuß. Doch laut den Arbeitsagenturen und entsprechenden Gerichtsurteilen sind durchaus auch Anfahrtswege von bis zwei Stunden zumutbar. So dramatisch muss es ja nun nicht sein, die beiden brauchen für den Hin- und Rückweg jeweils eine halbe Stunde.

Spätestens nach zehn Stunden hat Chris also Feierabend. Toni erst nach elf, schließlich muss morgens Klein-Chris in die Kita gebracht und Klein-Toni bei der Schule abgesetzt werden. Und das geht nicht ganz so schnell, wie unbedarfte Kinderlose sich das häufig vorstellen. Da ist nichts mit Autotür auf, Kind raus, Autotür zu und weg. Ich habe das einmal mit meinem Sohn gemacht – allerdings war an diesem Tag der Kindergarten geschlossen. Glücklicherweise hat die Bildzeitung davon nie Wind bekommen, sonst hätte man mich sicher als Rabenmutter der Nation gebrandmarkt. Und nicht zu vergessen: abends sollte man die Kinder auch tunlichst wieder einsammeln.

Während Chris gemütlich vor dem Fernseher hockt oder sich mit Freunden in der Kneipe trifft, verbringt Toni »Qualitätszeit« mit dem Nachwuchs. Kocht was zu essen, schmeißt die Wäsche in Waschmaschine, liest eine Gutenacht-Geschichte vor. Organisiert Arzttermine und ärgert sich über den Religionslehrer, der Klein-Toni mit einer schlechten Note gedroht hat, weil das Heft auch nach zwei Tagen noch nicht mit einem lila Umschlag verhüllt ist.

Die Richter des Bundesgerichtshofs halten das für eine gerechte Aufgabenverteilung. Schließlich zahlt Chris ja Unterhalt für die Kinder, dann kann Toni ruhig auch was tun, scheinen sie zu denken. Heutzutage ist die Kinderbetreuung doch gar kein Problem mehr. Ab 2013 besteht sogar ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Schluss mit nur halbtags arbeiten und danach stundenlang faul auf der Couch rumliegen. Von der »Mannheimer Lösung« für diesen Rechtsanspruch scheinen die Herren beim BGH noch nichts gehört zu haben: Um Krippenplätze anbieten zu können, wurden einfach die Hortplätze gestrichen. Im neuen Schuljahr stehen in der Quadratestadt geschätzte 500 – 1000 Kinder nach Schulschluss auf der Straße.

Manchmal da überkommt es mich und ich sehne mich nach einem Baby. So einem kleinen Wesen, das ich herzen und knuddeln kann. Vor Kurzem erst ist Gianna Nannini Mutter geworden, obwohl sie sogar noch ein paar Monate älter ist als ich. Gelegentlich ein verführerischer Gedanke, dennoch wäre das aus vielen Gründen keine Option für mich. Also gerate ich in diesen sentimentalen Momenten in Versuchung, zum Telefonhörer zu greifen und meinen Kindern unmissverständlich nahe zu legen, endlich ihre Kinderplanung in Angriff zu nehmen. Schließlich hat mich neulich erst ein Dreijähriger als »alte Oma« tituliert. Und ganz bestimmt würde ich sofort damit anfangen, Söckchen und Mützchen zu stricken.

Doch mit klarem Kopf und bei einer realistischen Sicht auf die Zustände kann ich ihnen eigentlich nur empfehlen: Solange derart weltfremde Urteile gefällt werden und Stadtverwaltungen zu solchen Tricks greifen, lasst das mit dem Kinderkriegen besser sein!

...weiterlesen "Weltfremde Richter und Mannheimer Lösungen"

Die Mutter meiner Mutter hieß »Altriper Oma«. Selbstverständlich, weil sie in Altrip wohnte. Jenem kleinen Dorf auf der linken Rheinseite, gleich gegenüber des Mannheimer Stadtteils Rheinau.

Meine Oma hasste diese Titulierung. Denn eigentlich kam sie aus Mannheim-Neckarau, wie sie bei jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit noch im hohen Alter betonte. Der Titel »Neckarauer Oma« jedoch war bereits an meine Urgroßmutter vergeben. An die Mutter der Altriper Oma. Dabei stammte sie gar nicht aus Neckarau, noch nicht einmal aus Mannheim, Ludwigshafen oder der näheren Umgebung. Sie war erst 1903 zusammen mit ihrem Mann aus Böhmen eingewandert.

 

»In Mannheim soll es Arbeit geben«, hatte es damals geheißen, und so machte sich beinah die halbe Dorfjugend auf den Weg nach Mannheim. Die andere Hälfte ging nach Wien. Dort gäbe es auch Arbeit, hatte eine meiner Urgroßtanten gemeint. Und im Gegensatz zu diesem Mannheim, von dem man gar nicht so richtig wusste, wo es überhaupt lag und wie es dort zuging, war Wien als Hauptstadt der KuK Monarchie ein vertrauter Begriff.

Die Böhmer_innen haben sich in Mannheim dennoch schnell zurechtgefunden und vergaßen mit der Zeit sogar, dass sie eigentlich Zugewanderte waren. Erst als am Ende seiner Schulzeit das tschechoslowakische Militär Anspruch auf meinen Großonkel erhob, machten meine Urgroßeltern Nägel mit Köpfen und verlangten einen deutschen Pass. Im Grunde genommen hätte ihnen ein rein Mannheimer Pass vollkommen gereicht, denn als Staat war Deutschland für sie eben so abstrakt wie die neugegründete Tschechoslowakische Republik oder dieses Österreich – politische Absonderlichkeiten, die ihnen unverständlich blieben und bewirkten, dass Familie und Verwandtschaft nach 1918 nun in drei verschiedenen europäischen Staaten lebten.

Die Altriper Oma hatte es einfacher als ihr älterer Bruder. Für eine Frau interessierte sich kein Militär, ob deutsch oder tschechoslowakisch. Als junge Frau lernte sie den Altriper Opa kennen, heiratete hinüber auf die andere Rheinseite und wurde somit automatisch Deutsche. Sie wohnte in Altrip und arbeitete weiter in Neckarau. Sie bekam zwei Töchter, die sie ganz selbstverständlich in Neckarau zur Welt brachte, und nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges ging sie mit ihren Töchtern und  mit ihrer Schwester und deren Kinder ins Elsass.

Für sie war das Elsass nichts anderes als Böhmen. Dort wurde deutsch gesprochen, und dass das eine bis zum Einmarsch der Deutschen zu Frankreich und das andere zur Tschechoslowakei gehört hatte, hat sie meiner Meinung nach nie wirklich in ihrem Innersten realisiert – obwohl sie für ihre Generation und Herkunft eine sehr politisch denkende Frau gewesen war.

Die Mutter meines Vaters war die Rheinauer Oma. Eben weil sie auf der Rheinau wohnte. Während des Zweiten Weltkrieges hatte es die Familie nach Oberschlesien verschlagen. Nach der Flucht fand sie für einige Zeit Unterschlupf in der leer stehenden Wohnung einer Ludwigshafener Verwandten. Als diese selbst wieder dort einziehen wollte, machte man sich auf nach Mannheim. Ludwigshafen war französische Zone und Mannheim gehörte den Amerikanern. Einfach so mal die Rheinseiten zu wechseln, schien fast unmöglich.

Meine Oma durfte mit meiner schwerbehinderten Tante über die Brücke gehen. Aus Mitleid mit der Spastikerin, die sich so komisch bewegte und seltsame Laute von sich gab. Die anderen mussten bleiben. Nach kurzer Beratung kniffen sie meine damals acht Monate alte Cousine. Sie war ein geduldiges Kind und fing erst nach dem dritten oder vierten heftigen Kneifen an zu schreien. Dann allerdings aus vollem Hals. Was denn das Kind habe, wollten die Soldaten wissen.

Hunger. Und warum es nichts zu essen bekomme? Weil das Essen mit der Oma und der behinderten Tante inzwischen den Rhein überquert hatte, behauptete die Familie und durfte nun folgen.

Die Altriper Oma hatte mit ihren Töchtern das Elsass verlassen und wollte zurück nach Mannheim. Auch sie wurden auf der linken Rheinseite angehalten und dass meine Oma in ihrem Gepäck ganz oben auf unbekümmert ihren sogenannten Damenrevolver mit dem Elfenbeingriff gelegt hatte, machte Grenzüberschreitung noch komplizierter als bei der Familie meines Vaters.

Die Jahre vergingen. Meine Eltern lernten sich kennen, heirateten und 1956 kam ich zur Welt. Die Rheinauer Oma jammerte immer noch über die Rippchen, die bei der Flucht aus Oberschlesien im Küchenschrank vergessen worden waren.

»Die Polen haben sie bestimmt gegessen«, erzählte sie mir immer wieder empört. Ich fand das ebenfalls sehr unverschämt und beschloss, als Erwachsene nach Polen zu fahren und die Herausgabe der Rippchen zu verlangen.

»Das geht nicht so einfach«, klärte mich meine Oma auf. »Dafür braucht man nun ein Visum. Weil der Russe niemanden reinlässt zu den Polen.«

Ich war verwirrt. Warum hatte meine im breitesten Mannheimer Dialekt sprechende Oma eigentlich in Polen gelebt. Und was machte der Russe dort? Was war denn ein Visum? Und warum fiel der Begriff Russe und Visum auch immer wieder, wenn bei der Altriper Oma von der böhmischen Verwandtschaft die Rede war? War Böhmen auch in Polen?

»Nein, das liegt in der Tschechei«, sagte jemand und ein anderer korrigierte: »Das heißt Tschechoslowakei.« Nicht gerade eine Information, die diese komplizierte Angelegenheit für mich erklärbarer machte.

Als ich in der zweiten Klasse war, hieß es eines Tages: »Heute fahren wir ins Elsass.«

»Ist dort auch der Russe?« wollte ich wissen. Der schien ja überall dort zu sein, wo meine Familie früher gelebt hatte.

»Nein, dort ist kein Russe. Das Elsass gehört jetzt zu Frankreich.«

»Dann will ich da nicht hin, ich verstehe dann ja kein Wort.«

»Die Leute dort sprechen deutsch«, war eine Antwort, die mich in Verwirrung stürzte. An der Grenze jedoch standen Zöllner, die nur gebrochen deutsch sprachen. »Grün Kaddde?« wollte man wissen.

Ich war mir sicher, dass meine Eltern sich irrten. Früher da mochten die Leute im Elsass mal deutsch gesprochen haben. Aber eine geheimnisvolle Macht hatte daraus unverständliches Kauderwelsch gemacht. »Die grün Kadde« war zu Hause im anderen Anzug meines Vaters. Wenigstens schien er das Kauderwelsch zu verstehen. Wir mussten umkehren und nahmen am nächsten Tag einen neuen Anlauf.

Mich wunderte das nicht. Mit Grenzen hatte ich bereits Erfahrung. Erst im Jahr davor waren wir in einem Land gewesen, das Holland hieß und wo es riesige Lutscher, Kaffee, Käse und Schinken gab. »Den Schinken dürfen Sie nicht mit nach Deutschland nehmen«, hatte ein uniformierter Mann an der Grenze gesagt.

Mein Vater fuhr zurück bis zum nächsten Parkplatz. Ich musste mich auf den Schinken setzen, was äußerst unbequem war. »Du hältst den Mund!« wurde mir befohlen. Und ich bekam noch zweiten Lutscher. Danach durfte der Schinken doch nach Deutschland ebenso wie der Kaffee, auf dem mein Bruder saß.

Die Leute im Elsass sprachen allerdings dann doch deutsch. Und in den nächsten Jahren verbrachte ich bei ihnen oft einen Teil meiner Sommerferien. Bei Freund_innen der Altriper Oma. Ich war gerne dort. Warum allerdings die Reise an der Grenze jedes Mal eine Geduldsprobe war und wir auch immer die grüne Versicherungskarte dabei haben mussten, begriff ich einfach nicht. Weshalb waren Lucille und Chantal, zwei Mädchen in meinem Alter, Französinnen und ich Deutsche?

»Weil Colmar in Frankreich liegt und Mannheim in Deutschland. Wir sind Ausland füreinander. Wenn ein Land aufhört und ein neues anfängt, dann gibt es eben eine Grenze. Wenn du groß bist, wirst du es besser verstehen.«

Ich bildete mir allerdings ein, es bereits verstanden zu haben. und als ich zufällig ein Gespräch belauschte, in dem von einer Reise nach Berlin und gleich zwei Grenzen die Rede war, war die Sache klar. Berlin war im Ausland. Im ziemlich weit entfernten Ausland, wenn man auf dem Weg dorthin zwei Grenzen passieren musste. In der dritten Klasse fühlte ich mich verpflichtet, meine Lehrerin darüber aufzuklären, als sie meinte, Berlin liege in Deutschland. Ihre Reaktion verblüffte mich.

»Berlin ist die deutsche Reichshauptstadt!« schrie sie wie am Spieß und bekam einen knallroten Kopf.

»Aber die Grenzen «

»Das sind deutsche Grenzen! Das ist Deutschland! Das hat uns der Russe geklaut!«

Ich begann mich vor diesem Russen zu fürchten und hoffte, dass er nicht eines Tages kommen und uns Mannheim klauen würde. Und ich dachte oft darüber nach, wie ein einzelner Mann Polen, die Tschechoslowakei und halb Deutschland in Schach halten konnte. Wahrscheinlich war er ungeheuer groß, hatte Bärenkräfte und ernährte sich von Menschenfleisch.

Jahrzehnte später hatte ich die Sache mit den Grenzen einigermaßen begriffen, ganz wie es mir die Erwachsenen in meiner Kindheit vorausgesagt hatten. Ich hatte inzwischen Italiener, Griechen, Türken und noch so manche andere Nationalität kennengelernt. Alle waren sie wie einst meine Urgroßeltern nach Mannheim gekommen, weil es dort Arbeit gab. Und wie meine Urgroßmutter ihren Mannheimern Nachbarn die böhmische Küche und allem voran die Knödel schmackhaft gemacht hatte, brachten diese Leute mich auf den Geschmack von Pizza, Souflaki und Döner.

Meine Tochter war sieben Jahre alt, als sie eines Tages ihren Kinderausweis entdeckte. »Was ist das?«

»Ein Ausweis«

»Wozu braucht man den?«

»Um ins Ausland zu fahren. Man muss ihn an einer Grenze vorzeigen.«

Danach bestand sie darauf, umgehend ins Ausland zu fahren, damit sie ihren Ausweis vorzeigen konnte. Ich wollte ihr den Gefallen tun und wir fuhren ins Elsass. Bei Karlsruhe machten wir den ersten Versuch, die Grenze zu überqueren. Das Zollhäuschen war unbesetzt, ebenso beim zweiten und dritten Grenzübergang. Beim Vierten hing wenigstens ein Schild. »Wenn Sie etwas zu verzollen haben, nutzen Sie bitte den Grenzübergang xxx«.

Das Gesicht meiner Tochter wurde immer länger. Sie hielt den Kinderausweis in ihrer Hand und wollte ihn endlich jemand zeigen. Es war kalt und regnerisch. Auch am Grenzübergang xxx war kein Mensch zu sehen, allerdings brannte in dem kleinem Häuschen Licht. Wir gingen hinein.

»Wir wollen über die Grenze«, erklärte ich. »Meine Tochter will Ihnen ihren Ausweis zeigen«

Verständnislose Gesichter uniformierter Menschen. »Warum?«

Einst hatten die Erwachsenen vergeblich versucht, mir zu erklären, weshalb es Grenzen gibt. Und nun versuchte ich, meiner Tochter zu erklären, weshalb viele Grenzen niemanden mehr interessieren. Und meinen Enkelkindern wird wahrscheinlich kaum noch begreiflich zu machen sein, wie kompliziert es einst mit Böhmen und der Tschechoslowakei, mit Oberschlesien und Polen, mit dem Elsass und Frankreich und dem russischen Kannibalen einmal gewesen war.

Ich hoffe es wenigstens! Und bin ganz optimistisch, dass auch so sein wird vorausgesetzt Menschen wie Erika Steinbach halten endlich ihre Klappe!

...weiterlesen "Grenzerfahrungen"

Lasst euch eines gesagt sein: wenn ihr beabsichtigt, irgendwann das Zeitliche zu segnen, tut es nicht an einem Freitag nach 12 Uhr! Nehmt Rücksicht auf eure Angehörigen und erledigt das entweder vorher oder erst am Samstag.

Oma war leider nicht so rücksichtsvoll, vielleicht wusste sie es auch nicht besser. Sie machte ihren letzten Schnaufer an einem Freitag um Punkt 18.30 Uhr. Geschult durch viele Folgen Emergency Room sahen die Liebste und ich natürlich auf die Uhr und konnten die Frage: »Zeitpunkt des Todes?« auf die Sekunde genau angeben leider.

...weiterlesen "Was kostet der Tod?"