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Hallo Jungs von der Piratenpartei,
gerade habe ich Eure Twitter Message gelesen: »@GJ_Wuppertal @matthi_bolte @nele_Tabler @AntjeSchrubb: dafür sind zwei von den drei Frauen aber auf den TOP 10 Listenplätzen #Piraten+«
So, da bedanke ich mich mal schön für diese Auskunft. Beruhigt hat sie mich leider nicht, im Gegenteil, bei Euch scheint ja noch mehr im Argen zu liegen, als ich bisher annahm.
Als ich hörte, es gibt nun auch in Deutschland eine Piratenpartei, war ich begeistert gewesen. Ich halte Euch nämlich wirklich für nötig, gewisse gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahre müssen endlich auch in der Politik zum Thema werden. Meiner Ansicht nach füllt Ihr eine ähnliche Lücke wie Anfang der achtziger Jahre die Grünen in Bezug auf den Umweltschutz. Es ist manchmal wirklich erschreckend zu sehen, wie wenig Ahnung die meisten Politiker_innen der anderen Parteien vom Umgang mit den sogenannten Neuen Medien haben. Ihre Unbedarftheit in dieser Hinsicht haben sie ja gerade erst im Bundestagswahlkampf bewiesen.
In Deutschland ist es recht einfach, eine neue Partei zu gründen, nicht umsonst gelten wir als Land der Vereinsmeier. In der Regel sind es Männer, die erste konkrete Schritte in Richtung Satzung und weiterer Formalien unternehmen. Bei den Grünen damals ist es jedenfalls so gewesen. Die sehr aktiven Frauen aus der Umwelt-, Friedens- und Tunixbewegung kamen erst ein wenig später dazu. Auch die Partei der Linken wurde vor vier Jahren als WASAG im Westen fast ausschließlich von Männern gegründet. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen weniger an der Verteilung von Posten und Pöstchen und mehr an der praktischen Arbeit interessiert sind, keine Ahnung, dieses Thema will ich hier jetzt gar nicht vertiefen. Insofern ist zunächst mal also kein Wunder, wenn Eure Partei zurzeit noch männlich dominiert wird.
Sollte es stimmen, was die Wahlforschungsinstitute herausgefunden haben, besteht Eure Partei wie auch Eure Wählerschaft zum größten Teil aus jungen Männern bis 35 Jahre. Ihr seid gut ausgebildet und Euch eint die feste Überzeugung, dass der Staat nicht in Eurem Leben herumzuschnüffeln habe. Eine Überzeugung, die ich mit Euch teile.
Doch gerade an gut ausgebildete junge Männer wie Euch habe ich den Anspruch, dass Ihr weiter denkt als bis zum Schalter Eures Notebooks. Euch ernsthaft die Frage stellt, weshalb bei Euch so wenige Frauen mitarbeiten wollen. Erkennt: »Bei uns kann was nicht stimmen, wenn wir nur für Männer attraktiv sind.« Und mit vereinten Kräften daran arbeitet, dass dieser Zustand sich ändert.
Leider scheint Euch bisher weder die Frage noch die Erkenntnis in den Sinn gekommen zu sein. Stattdessen beteuert Ihr wie früher eine Schallplatte mit Sprung: »Wir sind nicht frauenfeindlich - natürlich können Frauen bei uns mitarbeiten - ist nicht unsere Schuld, wenn Frauen so desinteressiert sind.«
Autsch!
Soll ich Euch mal was sagen? Diese Sätze habe ich schon so oft gehört, ganz besonders früher als Jugendliche und junge Frau von der CDU, der SPD und fast allen anderen Parteien, den Gewerkschaften und den Hühnerzüchtervereinen. »Natürlich sind bei uns Frauen willkommen«, hieß dann immer. »Nur die wollen irgendwie nicht. Wir finden einfach keine Frauen, die bereit sind, sich politisch zu engagieren!«
Abgesehen natürlich von dieser einen Frau, der ganz Besonderen, die dann bei solchen Gelegenheiten vorgezeigt wurde und bei jedem offiziellen Fototermin mit aufs Bild musste: »Seht her, Frau X fühlt sich bei uns wohl und wurde sogar mit großer Mehrheit in den Vorstand gewählt.«
Damals verhinderten die Argumentschienen und Ansichten geistig verknöcherter Männer, die am liebsten unter Aspekten wie »Das haben wir schon immer so gemacht« und »Meine Frau ist am Herd glücklich« die Probleme dieser Welt lösen wollten, die Mitarbeit von mehr Frauen.
Sind sie tatsächlich Eure Vorbilder? Oder warum sonst ahmt Ihr sie so eifrig nach? Wie sie einst, seid auch Ihr heute stolz darauf, dass zwei der ersten zehn Listenplätze von Frauen belegt sind … anstatt vor Scham puterrot anzulaufen, weil der Frauenanteil auf dieser Liste gerade mal 1,5% beträgt.
 © Nele Tabler 2009

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Kommentare
isis-welt.blog.de/2010/03/13/piratenkrake-8170527/
Und mir geht es wie ihr: Ich bin mal sprachlos. Diese Herren scheinen sich jeden Tag ein bisschen mehr ins Abseits stellen zu wollen
Piratinnen im Gender-Kampf
www.taz.de/.../1
Ahoi
sunny
maedchenmannschaft.net/.../
kikerki
sunny
Hallo Nele,
ich möchte auf deinen Brief an die Piraten antworten. Auch ich bin sehr enttäuscht, dass nur drei Frauen auf der Landesliste standen. Soviel muss gesagt sein. Aber, dafür schämen tu ich mich nicht. Es wurden keine Vorabentscheide durchgeführt, die Frauen benachteiligt hätten. Es wurde basisdemokratis ch abgestimmt, und soweit ich weiß sind alle drei Frauen auf die Landesliste gekommen. Zwei davon sogar in die Top 10. Darauf bin ich stolz.
Was die Frauenquote angeht... ich bin mir sehr sicher, wenn du zur Wahl gestanden hättest, hättest du auch einen Listenplatz bekommen. Bestimmt hätten viele für dich abgestimmt! Aber antreten müsst ihr Frauen schon selbst \;\-\)
alles Gute und liebe Grüße,
dein Pirat
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