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Wie die Frauenquote Wirklichkeit wird

»Na, nun sagen Sie mal, wie finden Sie mich? Jetzt, so wie ich vor Ihnen stehe? - Was mache ich für einen Eindruck auf Sie? Woran denken Sie, wenn Sie mich sehen? Klar, ich weiß, ich hätte eine Diät dringend nötig. Zum Friseur müsste ich auch mal wieder gehen, die Dauerwelle ist schon etwas aus der Form geraten. Meine Kleidung ist doch in Ordnung, oder nicht? Sauber und gepflegt, und nicht aus der Mode. Ich finde, meine Klamotten stehen mir ganz gut. Ach herrje, die Schuhe sind nicht richtig geputzt, an dem rechten Absatz hängt noch etwas Erde. Warten Sie, ich mache das schnell weg. Das ist wohl noch von dem Spaziergang heute Morgen. Ich schminke mich ja immer recht dezent, der Lidschatten soll zu meinen Augen und der Brille passen. Gefallen Ihnen meine Ohrringe? Die habe ich letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich wirke doch ganz bestimmt wie eine normale nette Frau.«

»Schön, dass Sie mir das bestätigen. Das ist freundlich von Ihnen. Denn soll ich Ihnen mal was sagen? Ich bin weder normal noch nett! Auch wenn ich jetzt so auf Sie wirke. Meine Psyche, die nämlich nicht so ganz in Ordnung. Oh je, haben Sie jetzt einen Schrecken bekommen? Überlegen Sie sich nun, wie Sie schnellstens von hier wegkommen? Tja, da haben Sie Pech! Das ist unmöglich. Ich denke nicht, dass der Fahrstuhl vor morgen früh wieder in Gang gesetzt wird.«

»Hören Sie schon auf, dauernd den Alarmknopf zu drücken! Das haben wir doch inzwischen bereits mehrmals probiert. Sie werden sich damit abfinden müssen, es ist niemand mehr im Haus. Feierabend war schon vor einer Stunde. Wir beide, Sie und ich, müssen die Nacht hier im Fahrstuhl verbringen. Wissen Sie was, wir setzen uns auf den Boden. Warum sollen wir denn die ganze Zeit stehen? Hier, in meinen Tüten gibt es sogar etwas zu essen und zu trinken. Ich bin ja gerade vom Einkaufen gekommen, vom Supermarkt im Erdgeschoss. Jetzt wundern Sie sich bestimmt, weshalb ich dann hier im Fahrstuhl bin. Wissen Sie, das weiß ich auch nicht so genau. Ich habe manchmal richtige Gedächtnislücken, und dann tue ich Dinge, von denen ich hinterher keine Ahnung mehr habe. In so einem Zustand habe ich sogar schon einmal einen Menschen um die Ecke gebracht. Das ist aber schon einige Jahre her. War auch nicht so schlimm. Ich habe ja den Jagdschein und nach einigen Monaten Klapsmühle ließ man mich dann wieder laufen.«

»Also, ich habe Hunger. Mal sehen, was in der einen Tüte ist? Butter, Brot, Käse und in der anderen zwei Flaschen Sprudel. He Sie, wollen Sie auch was? Ich kann mir nämlich mir vorstellen, dass Sie in Ihrem Aktenköfferchen etwas zu essen haben. Sie brauchen sich nicht zu zieren, ich gebe Ihnen gerne was ab. Sie können sich ja irgendwann mal revanchieren und mich zum Essen einladen, oder so. Was mache ich nur mit dem Brot? Da fällt mir ein, ich habe doch auch ein Messer gekauft. Wo ist es denn? Ach hier. Sehen Sie? Das Messer ist noch in Folie eingeschweißt. Angeblich beste Qualität. Ich brauchte dringend ein neues Fleischmesser. Mein Altes hatte sich nämlich in Luft aufgelöst. Ich konnte es nicht mehr finden. Hoffentlich habe ich damit keinen Blödsinn gemacht und meine Nachbarin aufgeschlitzt. Davon habe ich nämlich schon ein paar Mal geträumt.«

»Was stehen Sie denn da immer noch, so steif und verkrampft? Kommen Sie, Sie können sich hier auf die Tüte setzen, wenn Ihnen der Boden zu dreckig ist. Wollen Sie wirklich nichts essen? Na ja, vielleicht haben Sie später noch Hunger, dann bedienen Sie sich einfach. Die Nacht wird nämlich lang werden. Wie heißen Sie eigentlich? Wenn ich schon die Nacht mit Ihnen verbringen muss, will ich wenigstens Ihren Namen wissen. Ich bin Frau Behrmann, Gundula Behrmann, 43 Jahre, verwitwet, keine Kinder.«

»Schöninger heißen Sie? Gehören Sie zu den Schöningers aus der Fliederstraße? Nicht? Nun, das hätte mich auch gewundert. Sie sehen nicht so aus, als ob Sie zu dieser Familie gehörten. Mit Ihren Aktenköfferchen und dem Anzug sehen Sie nach einem Versicherungsvertreter aus. Habe ich richtig geraten? Nein? Verraten Sie nichts! Es vertreibt mir die Zeit, wenn ich versuche, Ihren Beruf zu erraten. Um auf die Schöningers aus der Fliederstraße zurückzukommen, ich kenne die Anneliese Schöninger schon seit Jahren. Aus dem Knast, wir waren in einer Zelle. Sie wegen Beischlafdiebstahl und ich wegen Körperverletzung. Das war noch, bevor ich den Jagdschein bekommen hatte. Und mit diesen Schöningers sind Sie sicher nicht verwandt?«

»Na endlich! Ich dachte schon, Sie wollen bis morgen früh stehen bleiben. Wartet jemand auf Sie? Wird Ihre Frau Sie vermissen? Vielleicht sucht uns dann doch jemand? Mich wird niemand vermissen. Ich bin alleinstehend, verwitwet. Mein Mann ist vor einigen Jahren bei einer Bergwanderung ums Leben gekommen. Wir hatten uns gestritten, wissen Sie, und dann habe ich ihn ein bisschen geschubst. Nur ein bisschen, weil ich wütend war. Der Erich, der ist ein richtiger Schwächling gewesen. Wegen dieses kleinen Schubs ist er gleich in eine Gletscherspalte gestürzt. Haben Sie eine Uhr an? Aha, kurz nach zehn ist es schon. Sehen Sie, die Zeit vergeht doch recht schnell. Das Dumme ist nur, ich hätte eigentlich schon um acht Uhr meine Medikamente nehmen müssen. Ich soll sie immer pünktlich auf die Minute nehmen. Sonst wirken Sie nicht richtig, und ich habe mich dann mehr so ganz unter Kontrolle. Aber, was soll's? Dieses eine Mal wird wohl nichts passieren. Oder? Haben Sie eine Ahnung davon?«

»Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor. Kann das sein, dass ich Sie schon einmal getroffen habe? Ich bin mir sicher, ich bin Ihnen schon mal begegnet. Vielleicht fällt es mir später noch ein. Sagen Sie mal, weshalb sind Sie eigentlich in diesem Fahrstuhl? Was hatten Sie denn hier im Haus zu tun. Arbeiten Sie hier? Sind Sie einer der Anwälte aus dem dritten Stock? Herr Schöninger, ich muss schon sagen, sehr gesprächig sind Sie aber nicht. Sie könnten doch auch mal sagen und für meine Unterhaltung sorgen. Wenn ich mich nämlich langweile, dann werde ich unausstehlich. Und das wollen Sie doch sicher nicht? Glauben Sie mir, in der Klapsmühle sind die Schwestern immer gerannt, wenn ich mich gelangweilt habe. Die wussten, was dann passiert. Wir könnten ja auch etwas spielen. Ich sehe was, was Du nicht siehst. Oder Teekessel raten. Ich bin ganz schön müde, ich glaube ich schlafe gleich ein. Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich mich bei Ihnen anlehne?«

»Wie viel Uhr haben wir jetzt? Was schon vier Uhr morgens? Da muss ich ja richtig geschlafen haben. Haben Sie denn inzwischen was gegessen? Mir ist das ja peinlich, aber ich muss mal. Was gucken Sie denn jetzt so komisch? Ich muss eben mal. Ich will hier nicht auf den Boden pinkeln. Die Tüten sind auch nicht dicht. Fällt Ihnen nichts ein? Aber schnell, ich kann es kaum noch halten. Ich habe eine Idee! Ihr Aktenköfferchen! Kommen Sie schon! Räumen Sie es aus! Sie, das Messer ist ziemlich scharf. Soll ich mal?«

»Ah, das hat gut getan. Haben Sie noch nie eine Frau Pippi machen sehen? Oder warum sonst schauen Sie so entsetzt? Jetzt begreife ich. Sie hatten Angst vor dem Messer. Ich wollte Ihnen doch nur helfen, den Koffer zu öffnen. Sie schienen mit dem Schloss Probleme zu haben. Herr Schöninger, ich werde Ihnen doch nichts tun! Glaube ich wenigstens. Wissen Sie, ich bin eben unberechenbar. Es manchmal aus heiterem Himmel über mich, und ich randaliere. Aber seien Sie ruhig. Es wird schon nichts passieren. Sie sind doch auch sehr nett zu mir. Aber langweilig ist es mir immer noch. Ich hätte jetzt Lust, ja, zu was denn? Oh ja, wir basteln Papierflieger. Hier mit Ihren Akten. Das macht Ihnen doch nichts aus, oder? Wir können sie ja später wieder glatt streichen. Hoppla. Tut mir leid, aber das ist jetzt total zerrissen. Ich hoffe, es war nichts Wichtiges gewesen. Warum zittern Sie denn? Frieren Sie. Soll ich Ihnen meine Jacke geben? Sie können sie ruhig für einen Moment über Ihre Schultern legen. Etwas wärmer wird es Ihnen dann bestimmt. Ich friere auch nicht so leicht. Sie sollten aber jetzt auch unbedingt etwas essen! Wo ist denn schon wieder mein Messer hingekommen?«

»Guten Appetit! Wollen Sie auch etwas trinken? Soll ich Ihnen mal zeigen, was mir wahnsinnigen Spaß macht? Ich schüttle diese Sprudelflaschen immer ganz fest. Und dann stelle ich sie hin und warte, ob sie nicht explodieren. Manchmal geht das, aber nicht mit allen Flaschen. Sehen Sie, aber dieser hier funktioniert das auch nicht so richtig. Ich probiere es mal bei der anderen. Mist, bei der klappt es auch nicht. Wenn mir doch endlich einfallen würde, woher ich Sie kenne! Sind Sie Arzt? Psychiater? Ich meine, es geht mich ja nichts an. Aber Sie gefallen mir gar nicht. Sie sind so blass und Ihre Augenlider zucken. Ist das bei Ihnen normal? Haben Sie Kopfschmerzen? Ich werde Ihnen einen nassen Umschlag machen. Ziehen Sie mal Ihr Unterhemd aus. Sie haben doch eins an? Nun machen Sie schon. So, nun ein bisschen Sprudel darüber und auf Ihren Kopf damit. Igitt, nun ist der ganze Boden nass. Ich werde mal ein bisschen trocken wischen. Ich nehme mir Ihre Papiere dazu, in Ordnung? Nun ist es schon sechs Uhr. Der Hausmeister kommt bestimmt bald und wird uns befreien. Ich denke noch immer darüber nach, woher ich Sie kenne. Aber für Sie wird es wirklich Zeit, dass Hilfe kommt. Haben Sie Herzproblemen. Sie scheinen Atemnot zu haben.«

»Keine Panik, ich kann Erste Hilfe. Warten Sie, als Erstes lockern wir mal der Krawatte. Nun bleiben Sie doch mal ruhig. Sonst kann ich den Krawattenknoten nicht richtig aufschneiden und tue Ihnen vielleicht noch mit dem Messer weh. Zappeln Sie doch nicht so. Legen Sie sich auf den Rücken. Die Beine nehmen Sie hoch. Stemmen Sie die Füße gegen die Wand. Genau so, ganz richtig. Das nennt man Schocklagerung. Das wird Ihnen gut tun. Sehen Sie, was habe ich Ihnen gesagt? Sie sehen schon wesentlich besser aus. Weinen Sie etwa? Warum denn? Wir werden sicher bald befreit. Hören Sie! Hören Sie nicht auch die Schritte? Nein? Aber es wird nicht mehr lange dauern. Gleich wird jemand kommen, Herr Schöninger. Ganz ruhig! Sie sollten mal ein Schluck trinken. Hier, in der Flasche ist noch was drin. Herr Schöninger, jetzt benehmen Sie sich aber recht kindisch. Sie tun ja gerade so, als hätten Sie Angst vor dieser Flasche. Können Sie mir mal sagen, weshalb Sie sich da in der Ecke zusammenkauern und die Arme über den Kopf legen? Jetzt heult er auch noch wie ein Schlosshund! Männer sind doch wirklich Waschlappen!«

»Wie viel Uhr haben wir jetzt? Zeigen Sie mal! Ach, gleich sieben? So, Herr Schöninger, dann wird es Zeit, ich werde jetzt in den Fahrstuhl wieder in Bewegung setzen. Sehen Sie, es ist ganz einfach. Mit diesem kleinem Schlüssel hier das Schloss einmal herumdrehen und den Hebel runterdrücken, und schon fährt der Fahrstuhl. Sehen Sie. Also dann, Herr Schöninger. Auf Wiedersehen. Es war nett gewesen, mit Ihnen zu plaudern. Vielleicht sehen wir uns mal wieder.«

Abstimmungsniederlage für die Bundesregierung am späten Abend in der wichtigsten Frage des Haushalts 1999 +++ überraschend hatte ihr eine Stimme gefehlt, obwohl der Kanzler Anwesenheitspflicht angeordnet hatte. +++ Dr. Wolfgang Schöninger begründet in einem Interview seine Abwesenheit mit einem defekten Fahrstuhl +++ In seiner neusten Ausgabe berichtet der Spiegel über die Ungereimtheiten des Dr. Schöninger +++ Der Fahrstuhl war nicht defekt! Das ergaben Recherchen von Focus. +++ Bestechungsskandal? Wer bezahlte Dr. Schöninger für seine Abwesenheit? +++ Der Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Schöninger hat seine für das nächste Jahr geplante Kandidatur für das Amt des Bundestagspräsidenten zurückgezogen. +++ Dr. Wolfgang Schöninger, Mitglied es Präsidiums der FSDU, ist von allen Parteiämtern zurückgetreten +++ Dr. Wolfgang Schöninger hat sein Bundestagsmandat auf Druck seiner Partei niedergelegt. +++ Dr. Schöninger, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, wurde gestern in ein Psychiatrisches Landeskrankenhaus eingewiesen, nachdem er versucht hatte, seine Nachrückerin im Bundestag, Frau Gundula Behrmann, mit einem Messer zu attackieren. +++