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Umweltkatastrophe der etwas anderen Art: Weihnachtsbäume

»Was hast du denn immer mit den Christbäumen«, stand neulich in einer Mail. »Gibt es denn nichts Wichtigeres?«

Als wir vor fünf Jahren nach Steinbach gezogen sind, habe ich zum ersten Mal bewusst eine Christbaumplantage gesehen. Mir hat sie gefallen. Ich fand den Gedanken schön, mir schon im Sommer ein Bäumchen für das kommende Weihnachtsfest auszusuchen. Ab und zu machten wir sogar mit Besucher_innen einen kleinen Abstecher zu »unserem« Baum.

Zwei oder drei Jahre später suchte ich nach auf langen Waldspaziergang mit unserem Hund nach einer Abkürzung und plötzlich standen wir vor einem Zaun. »Wenn jetzt ein Wildschwein kommt, hat mein letztes Stündlein geschlagen«, fuhr mir plötzlich durch den Kopf und ich fragte mich, wie eigentlich das Wild mit all den Zäunen im Wald zurechtkommt.

»Also insbesondere im Neckar-Odenwald-Kreis sind riesige Christbaum-Kulturen entstanden. Dort, wo früher noch Grünland war oder Ackerland war, sind jetzt riesige mit Pestiziden und Zäunen versehene Christbaumkulturen entstanden. Und das passt nicht in die Landschaft, in die offene Landschaft. Und das bedeutet eine massive Schädigung des Landschaftsbildes.«

Eines Tages ging es unserer kleinen Hündin Coco sehr schlecht. Sie kotzte, hatte Durchfall, wurde apathisch. Die Tierärztin diagnostizierte eine Vergiftung und legte eine Infusion an. Es war die sprichwörtliche Rettung in letzter Sekunde. Nachdem wir uns vom ersten Schock erholt hatten, machten wir uns auf die Suche nach der Ursache: Coco hatte zu viele Grashalme am Rande einer dieser Christbaumplantagen gefressen.

»Durch die Christbaumkulturen wird Grünland umgebrochen, dadurch entstehen große Nitrat-Auswaschungen im Grundwasser. Dadurch geht der Artenreichtum der Wiesen verloren. Und diese Christbaumkulturen werden mit unglaublichen Mengen an Pestiziden vollgespritzt, damit dann ein makelloser Weihnachtsbaum im Wohnzimmer steht, der billig ist. Und dadurch werden Umwelt und Natur massiv geschädigt.«

Wie ich aus den Statistiken ersehen kann, kommen die Leser_innen der Karnele aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Viele von ihnen kennen Peter Hauk, der sich im Zusammenhang mit Stuttgart 21 bundesweit einen Namen gemacht hat. Doch die Wenigsten wissen, dass er auch für das Christbaumdisaster direkt vor unserer Haustür verantwortlich ist.

Anlässlich des vor der Tür stehenden Weihnachtsfestes erklärt der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum Peter Hauk MdL (CDU), dass die Anlage von Weihnachtsbaumkulturen sowie von Kulturen zur Gewinnung von Schmuck- und Zierreisig durch die jüngste Änderung des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes (LLG) von der Genehmigungspflicht ausgenommen sind und stattdessen eine Anzeigepflicht für diese Kulturen eingeführt wurde. Zudem gelte nunmehr auch nach § 25a Abs. 4 LLG, dass eine Neuanlage der angezeigten Pflanzungen nach deren Ernte auf derselben Fläche erneut vorgenommen werden darf. »Dadurch erreichen wir einen massiven Bürokratieabbau in der Landwirtschaft«, betonte Hauk.

Ob ihm wirklich nicht klar, was er damit anrichtete?

Eines will ich aber ausdrücklich betonen: Ich habe Verständnis, wenn Landwirt_innen angesichts lächerlicher Milchpreise usw. die Schnauze voll haben und ihre Äcker und Wiesen lieber an die Weihnachtsbaumindustrie verpachten. Keine Ahnung, was ich täte, wenn ich an ihrer Stelle wäre. Hier ist einfach mal wieder die Politik gefragt: Schluss mit diesem Irrsinn, vernünftige Alternativen anbieten! Und meine Bitte an die Leser_innen aus Berlin und Hamburg und Essen und anderswo: Kauft keine Weihnachtsbäume, die aus solchen Plantagen stammen!

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