Der Vorfall mit der Schwester der Sozialstation hat mich nicht nur wütend und traurig zugleich gemacht, sondern mir auch den nötigen Energieschub verpasst, mich endlich einmal selbst mit meinen Krankenakten zu beschäftigen. Bisher hatte ich mich davor gescheut, sie mir näher anzusehen. Mir hatte der Mut gefehlt, denn ich wollte gar nicht so genau wissen, was darin steht und hatte es der Liebsten überlassen, sie zusammenzutragen, zu lesen und ordnen.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 9"

Geduscht und in frischen Klamotten setze ich mich eines Abends aufs Bett, als sich plötzlich alles klatschnass anfühlt. Als hätte ich die Hosen gepinkelt oder meine Fruchtblase wäre geplatzt. Doch weder bin ich schwanger noch habe ich die Kontrolle über meine Körperausscheidungen verloren. Der Schwall Brühe kam aus der Operationswunde, nachdem sie tagelang bestens wie im Lehrbuch zu heilen schien. Die Ärzte geben sich alle Mühe, die Liebste und mich zu beruhigen. Das sei nichts Schlimmes, es handele sich um helles Wundsekret, nicht um dunkles Blut und höre sicher bald wieder auf.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 6"

Bei einem Orthopäden lasse ich eine Knochendichtemessung vornehmen. Schließlich ist immer noch nicht geklärt, wie es passieren konnte, dass mein Oberschenkelhals gebrochen ist. Die Kosten dafür werden mir privat in Rechnung gestellt. In erreichbarer Nähe gibt es keine Arztpraxis, die bereit ist, Knochendichtemessungen mit gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Eine Vergütung von knapp 18 Euro ist wahrscheinlich wirklich nicht kostendeckend für diese aufwendige Untersuchung. Das Ergebnis bringt allerdings kein Licht ins Dunkel, meine Knochendichte ist im besten Zustand, an porösen Knochen kann es also nicht gelegen haben.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 3"

Mein Vater besucht mich und redet auf mich ein. Ich verstehe kein Wort und wundere mich über seine merkwürdige Kleidung. Seit wann trägt er denn Frack und Zylinder? Er sieht aus wie ein Zirkusdirektor. Plötzlich springt er auf, rennt durch die Krankenhausflure und wirft mit Pralinenschachteln von Lindt um sich.

Ich liege im Campingbus und habe vergessen, wohin wir in Urlaub fahren wollen. Eine junge Frau mit einer Punkfrisur sitzt neben mir und schmeißt mit Konfetti. Erst glaube ich, sie sei meine Nichte. Nach einer Weile bemerke ich die Verwechslung und zerbreche mir den Kopf darüber, warum wir eine Wildfremde mit in den Urlaub nehmen. Vielleicht ist sie ja eine Anhalterin. Eine ziemlich dreiste Person, denn plötzlich kippt sie eimerweise Konfetti über mich, bis mein ganzer Körper in einer weichen bunten Papierwolke eingehüllt ist.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 2"

Bei mir hat sich in den letzten Wochen das Leben drastisch verändert. Frau Fünfundsiebzig hatte sich endlich dazu durchgerungen, ihre lädierten Knie operieren zu lassen. Seit Jahren hatte sie diese OP vor sich hergeschoben und konnte zum Schluss kaum noch laufen. Erst als Herr Siebenundsiebzig ihr erklärte, dass er sie nicht pflegen könne und eigentlich nur noch die Möglichkeit Pflegeheim sehe, hat sie widerwillig eingewilligt. Allerdings begleitet mit Jammern, Heulen und Vorwürfen. „Der Mann will mich in ein Pflegeheim stecken, dabei ist er selbst schon halb dement!“ – „Ihr spekuliert ja alle nur darauf, dass ich das nicht überlebe und ihr mich endlich los seid!“ usw.  Als sie aus der Narkose aufwachte, war das Erste, das sie sagte, dann auch: „Warum habt ihr mir das angetan?“

...weiterlesen "Frau Fünfundsiebzig wird am Knie operiert"