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Statt in der Reha laufen zu lernen und auch allgemein körperlich fitter gemacht zu werden, bin ich erneut zuhause gelandet und soll abwarten, bis die Wunde endgültig verheilt ist.  Die meiste Zeit liege ich auf dem Bett, tue mir selbst unheimlich leid, glotze Fernsehen und schlucke in regelmäßigen Abständen Schmerztabletten. Jeden Abend jage ich mir eine Thrombosespritze in den Bauch. Gelegentlich schaut mir die Liebste bewundernd dabei und bekommt erneut Wut über die vielen blauen Flecken in verschiedenen Schattierungen auf meinen Bauch. Ganz im Gegensatz zu den Spritzen der Schwestern im Krankenhaus und den zwei Tagen in der Reha hinterlassen meine Einstiche keine Spuren.

"Gelernt ist halt gelernt", bestätige ich jedes Mal wieder und sehe Schwester Annie, meine Ausbilderin während eines Pflegegrundkurses leibhaftig vor mir. Sie war sehr streng gewesen und ließ uns Schülerinnen nicht den kleinsten Fehler durchgehen. Hinter ihrem Rücken beschimpften wir sie als alten Drachen, hatten Angst vor ihr und schwitzten regelmäßig Blut und Wasser, wenn sie uns in die Mangel nahm. Eigentlich war sie schon lange aus meinem Gedächtnis verschwunden, erst mit dem Oberschenkelhalsbruch und den Krankenhausaufenthalten kehrte die Erinnerung an sie zurück.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 8"

Seit ein paar Wochen kann ich mich wieder richtig bewegen, die Krücken sind mittlerweile auf dem Speicher verstaut und allmählich unternehme ich auch mit den Hunden wieder längere Spaziergänge. Selbst das Karpaltunnelsyndrom hat sich in Luft aufgelöst. Es ist ebenso überraschend wieder verschwunden, wie es aus heiterem Himmel aufgetaucht war. Ganz ohne Operation oder sonstige Behandlung. Nicht einmal die verschriebene Schiene habe ich länger als zwei Tage getragen.  Sie hat mich mehr behindert, als mir das Gefühl zu geben, nützlich zu sein.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 4"

Ich bin alt, so schrecklich alt, Omas Alter ist nicht mehr weit von mir entfernt. Das mache ich nicht nur an meinen grauen Haaren fest, die kann ich ja färben und mir so beim Blick in den Spiegel eine andere Wirklichkeit vorgaukeln.

Auch die Tatsache, dass eine zwei Jahre jüngere Freundin vor Kurzem Großmutter geworden ist, habe ich noch einigermaßen gut verkraftet und meinen Kindern in einem ernsten Gespräch einfach das Kinderkriegen in den nächsten zwanzig Jahren untersagt.

...weiterlesen "Graue Haare und lange Finger"

Der Abend ist lau, der Wein schmeckt gut und die Stimmung auf der Terrasse ist bestens, bis mir wieder mein Problem einfällt: Auf meinem Kopf wachsen Haare. Selbstverständlich keine weltbewegende Tatsache, auf den meisten weiblichen Köpfen wachsen Haare.

Weltbewegend ist schon eher die Frage, was mache ich damit? Schneiden, legen, föhnen? Wickeln, färben, flechten? Eine Frage, die mir gelegentlich den Schlaf raubt, und die ich jetzt sofort auf der Stelle geklärt haben möchte. Wozu hat frau denn Freundinnen?

...weiterlesen "Haarige Lesben"