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Der Vorfall mit der Schwester der Sozialstation hat mich nicht nur wütend und traurig zugleich gemacht, sondern mir auch den nötigen Energieschub verpasst, mich endlich einmal selbst mit meinen Krankenakten zu beschäftigen. Bisher hatte ich mich davor gescheut, sie mir näher anzusehen. Mir hatte der Mut gefehlt, denn ich wollte gar nicht so genau wissen, was darin steht und hatte es der Liebsten überlassen, sie zusammenzutragen, zu lesen und ordnen.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 9"

Statt in der Reha laufen zu lernen und auch allgemein körperlich fitter gemacht zu werden, bin ich erneut zuhause gelandet und soll abwarten, bis die Wunde endgültig verheilt ist.  Die meiste Zeit liege ich auf dem Bett, tue mir selbst unheimlich leid, glotze Fernsehen und schlucke in regelmäßigen Abständen Schmerztabletten. Jeden Abend jage ich mir eine Thrombosespritze in den Bauch. Gelegentlich schaut mir die Liebste bewundernd dabei und bekommt erneut Wut über die vielen blauen Flecken in verschiedenen Schattierungen auf meinen Bauch. Ganz im Gegensatz zu den Spritzen der Schwestern im Krankenhaus und den zwei Tagen in der Reha hinterlassen meine Einstiche keine Spuren.

"Gelernt ist halt gelernt", bestätige ich jedes Mal wieder und sehe Schwester Annie, meine Ausbilderin während eines Pflegegrundkurses leibhaftig vor mir. Sie war sehr streng gewesen und ließ uns Schülerinnen nicht den kleinsten Fehler durchgehen. Hinter ihrem Rücken beschimpften wir sie als alten Drachen, hatten Angst vor ihr und schwitzten regelmäßig Blut und Wasser, wenn sie uns in die Mangel nahm. Eigentlich war sie schon lange aus meinem Gedächtnis verschwunden, erst mit dem Oberschenkelhalsbruch und den Krankenhausaufenthalten kehrte die Erinnerung an sie zurück.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 8"

Seit ein paar Wochen kann ich mich wieder richtig bewegen, die Krücken sind mittlerweile auf dem Speicher verstaut und allmählich unternehme ich auch mit den Hunden wieder längere Spaziergänge. Selbst das Karpaltunnelsyndrom hat sich in Luft aufgelöst. Es ist ebenso überraschend wieder verschwunden, wie es aus heiterem Himmel aufgetaucht war. Ganz ohne Operation oder sonstige Behandlung. Nicht einmal die verschriebene Schiene habe ich länger als zwei Tage getragen.  Sie hat mich mehr behindert, als mir das Gefühl zu geben, nützlich zu sein.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 4"

Bei einem Orthopäden lasse ich eine Knochendichtemessung vornehmen. Schließlich ist immer noch nicht geklärt, wie es passieren konnte, dass mein Oberschenkelhals gebrochen ist. Die Kosten dafür werden mir privat in Rechnung gestellt. In erreichbarer Nähe gibt es keine Arztpraxis, die bereit ist, Knochendichtemessungen mit gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Eine Vergütung von knapp 18 Euro ist wahrscheinlich wirklich nicht kostendeckend für diese aufwendige Untersuchung. Das Ergebnis bringt allerdings kein Licht ins Dunkel, meine Knochendichte ist im besten Zustand, an porösen Knochen kann es also nicht gelegen haben.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 3"

Mein Vater besucht mich und redet auf mich ein. Ich verstehe kein Wort und wundere mich über seine merkwürdige Kleidung. Seit wann trägt er denn Frack und Zylinder? Er sieht aus wie ein Zirkusdirektor. Plötzlich springt er auf, rennt durch die Krankenhausflure und wirft mit Pralinenschachteln von Lindt um sich.

Ich liege im Campingbus und habe vergessen, wohin wir in Urlaub fahren wollen. Eine junge Frau mit einer Punkfrisur sitzt neben mir und schmeißt mit Konfetti. Erst glaube ich, sie sei meine Nichte. Nach einer Weile bemerke ich die Verwechslung und zerbreche mir den Kopf darüber, warum wir eine Wildfremde mit in den Urlaub nehmen. Vielleicht ist sie ja eine Anhalterin. Eine ziemlich dreiste Person, denn plötzlich kippt sie das Konfetti eimerweise über mich, bis mein ganzer Körper in einer weichen bunten Papierwolke eingehüllt ist.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 2"

Es passiert beim Geschirrspülen. Als ich mit der rechten Hand einen Teller in den Geschirrkorb links neben dem Wasserbecken stellen will, spüre ich einen Stich im unteren Teil des Rückens. Keinen harmlosen Mückenstich, es fühlt sich eher an wie ein spitzes Messer.

"Hexenschuss", fährt mir sofort durch den Kopf und in Erinnerung an eine ähnliche Situation vor ungefähr zehn Jahren, gebe ich mir energisch den Befehl: "Gerade hinstellen und tief durchatmen!"

Kaum eine Minute später ist der Schmerz wieder abgeebbt, nichts tut mehr weh und ich kann mich ganz normal bewegen. Komisch. Ob das vielleicht etwas mit meinem Alter zu tun hat und allmählich nun  diverse Zipperlein kommen und gehen werden?

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