Die Geschichte scheint sich bestens für die Boulevardpresse zu eignen. In der idyllischen Provinz wird ein Ehepaar erschossen und der zweijährige Enkel verbringt zwei Tage im Haus mit seinen toten Großeltern, bis zufällig eine Nachbarin auf ihn aufmerksam wird. »Das ist für unsere Gegend hier etwas ganz abnormales. Einbrüche gab es hier schon einmal, aber Mord? Nein, das ist völlig abnormal«, zitiert die Lokalpresse einen entsetzten Anwohner.
Kommentare geschlossenKARNELE Beiträge
Eine Landschaft im Testosteronnebel, Teil 2
Solange ich mich noch beinah ausschließlich durch Printmedien über regionale Ereignisse informiert habe, war mir die männliche Dominanz in unserem Kreis durch Statistiken zwar theoretisch bewusst, doch im Alltag habe ich nur wenig darüber nachgedacht und das Problem meist verdrängt.
Kommentare geschlossenDie Würde des Menschen ist unantastbar
Vier Wochen sind seit Neunundsiebzigs Schlaganfall inzwischen vergangen und heute habe ich zum ersten Mal eine schriftliche Diagnose gesehen. Gleich als Erstes sticht mir der Begriff »adipositas per magna« ins Auge. Wie bitte? Zur Sicherheit sehe ich noch mal bei Wikipedia nach: Adipositas permagna oder morbide Adipositas, BMI ≥ 40 … Übersetzt soll das wahrscheinlich heißen: Dicker geht’s nicht, Patientin steht bereits mit eineinhalb Beinen im Grab.
Kommentare geschlossenSchlaganfall? 1
Telefonanrufe sonntags morgens um halb sieben bedeuten in der Regel nichts Gutes. Neunundsiebzig war in der Nacht ins Krankenhaus gekommen, es besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Verschlafen, panisch und ungläubig zugleich höre ich zu, was der Bruder erzählt. Um 22 Uhr am Abend zuvor war der Notarzt das erste Mal bei ihr gewesen und hatte sie als verwirrt, aber körperlich gesund bezeichnet. Als er um 3 Uhr erneut gerufen wurde, erfolgte die Krankenhauseinweisung. Nicht etwa, weil er die Situation inzwischen anders einschätzte, sondern weil ihm von Einundachtzig nachdrücklich erklärt wurde, irgendwas stimme nicht. Wahrscheinlich befürchtete er, sonst in dieser Nacht noch ein drittes Mal gerufen zu werden.
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