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Von der Kaffeeverpackung über die blaue Tonne zum Plastikmüllberg

Es begann mit einer Kaffeeverpackung. Einer bereits leeren Verpackung. Rein zufällig hatte ich einen winzigen Zipfel der äußeren Beschichtung erwischt und versucht, die Verbundverpackung in Einzelteile zu zerlegen. Erst mit den Fingernägeln, dann mit Schere, Glasschaber, Papiermesser und weiteren spitzen Gegenständen. Es gelang mir nur zum Teil. Allerdings glaubte ich festgestellt zu haben, diese Kaffeeverpackung bestand aus Aluminium, Papier und Plastik.

Die Fachfrau aus der Druckbranche aka die Liebste widersprach mir. Das, was ich für Plastik gehalten hatte, sei mit der So-und-So-Technik auf speziellem So-So-Und-Papier mit der Maschine X von der Firma Y gedruckt worden. Deshalb handelt es sich dabei um Papier, auch wenn es sich wie Plastik anfühlt.

Am nächsten Tag rief ich bei unserem Abfallentsorger an und wollte wissen, ob diese äußere Schicht tatsächlich in den Papiermüll gehört.

Schmeißen Sie doch einfach alles in den Gelben Sack“, empfahl mir die freundliche Stimme am Telefon. Allerdings war nicht zu Überhören, dass man mich für leicht irre hielt. „Da landet die Verpackung ja sonst auch.“

Nicht zum ersten Mal beschlichen mich leichte Zweifel bezüglich der Kompetenz dieser Firma. Was soll ich denn davon halten, wenn KwiN/AWN zwar freigemessenen Bauschutt des stillgelegten Atomkraftwerks Obrigheim verbuddeln darf/soll/muss, aber anscheinend keine Ahnung hat, wie und wo die verschiedenen Materialien einer Kaffeeverpackung korrekt entsorgt werden.

Als ich mich bei einem Nachbarn darüber beklage, gibt der die neuste Verschwörungstheorie zum besten. Er hat sie von einem Bauern aus einem anderen Dorf gehört, dessen Cousin mit dem Schwager >>> am Ende steht eine Person, die beim Abfallentsorger arbeiten soll. Wegen des Streits um den Bauschutt habe man die frühere AWN aufgespalten, eben in AWN und KwiN. Und während die einen fürs Verbuddeln zuständig seien, machten die anderen jetzt in Beratung.

Aha.

 

Bei der Buttermilchflasche versuchte ich es dann auch nicht mehr beim Abfallentsorger, sondern wandte mich gleich an MüllerMilch. Ja ich weiß, es ist zurzeit politisch nicht korrekt, etwas von dieser Firma zu kaufen. In meiner Küche hing schon vor 35 Jahren eine lange Liste mit Nestlé Produkten, trotzdem schafft es noch heute das eine und andere des Konzerns in unseren Kühlschrank oder unser Badezimmer. Weil es gerade keine Alternative gibt. Weil wir beim Einkaufen nicht richtig aufpassen. Weil wir mal für fünf Minuten keine Lust haben, die Welt zu retten.

Und da wir so selten etwas von MüllerMilch kaufen, hatten wir auch keine Ahnung, wohin mit der Buttermilchflasche. Das Material fühlte sich merkwürdig an, war das tatsächlich Plastik beziehungsweise PET und gehörte in den Gelben Sack? Aus den kaum leserlichen Angaben auf dem Flaschenboden wurden wir nicht schlau. Nicht einmal ein Symbol für den Grünen Punkt war abgebildet.

Also teilten wir uns in gewohnter Weise die Arbeit. Ich schrieb Mails, die Liebste informierte sich über PET, diverse Flaschen und Zeichen.

Aber komme mir nachher bloß nicht an und behaupte, die Buttermilch sei in Spezialpapier mit besonderem Druckverfahren abgefüllt“, sagte ich vorsorglich. Schließlich war das Problem mit der Kaffeeverpackung eigentlich immer noch nicht geklärt, auch wenn wir alle Einzelteile inzwischen in den Gelben Sack geworfen hatten.

Die Firma MüllerMilch antwortete schnell. Die Flasche sei aus PET und gehöre in den Gelben Sack. Wie übrigens alle Verpackungen, egal aus welchem Material sie bestünden und ob ein Grüner Punkt aufgedruckt sei oder nicht. Das war mir neu. Bisher hatte ich Kartonagen immer im Papiermüll entsorgt. War das falsch gewesen, gehören die tatsächlich ebenfalls in den Gelben Sack?

Jetzt war doch wieder ein Anruf beim Abfallentsorger fällig. Die Auskunft von MüllerMilch sei kompletter Blödsinn erklärte man mir. Kartonagen beispielsweise gehörten in den Papiermüll. Bisher war der einmal im Monat von karitativen Vereinen abgeholt worden. „Aber jetzt haben Sie ja die blaue Tonne dafür!“

Hä? Blaue Tonne, was für eine blaue Tonne?

Die haben wir Ihnen letztens vor die Haustür gestellt.“

Die Liebste schimpfte wie ein Rohrspatz, als ich ihr abends davon erzählte. „Wohin sollen wir die denn stellen? Was ist, wenn es mal heftig regnet? Wenn das Papier nass wird, gibt es doch jedes Mal eine Riesensauerei.“

Mich ging das nichts an. In unserer Beziehung ist sie für Papier aller Arten zuständig. Wo die blaue Tonne abgeblieben war, interessierte mich allerdings schon. Bei Erkundigungen in der Nachbarschaft stellte sich heraus, blaue Tonnen waren bisher nirgends angekommen. Die sollten erst Ende des Jahres ausgeliefert werden. So habe es wenigstens im Amtsblättchen gestanden, hieß es. Das hatten wir wohl überlesen.

Die Liebste beruhigte sich wieder und beschloss, die blaue Tonne in eine Höhle für unsere Hunde umzufunktionieren. Das Papier werden wir weiter im Keller sammeln und ab und zu selbst zur Deponie fahren. Ein bisschen Aufwand zwar, meinte sie, aber alles besser, als ständig tonnenweise Matschpapierpampe.

Derweil stand die Buttermilchflasche auf der Fensterbank und wartete ergeben auf ihr weiteres Schicksal. Wie immer zu dieser Jahreszeit ist die Liebste beruflich ziemlich eingespannt und hatte noch keine Zeit, sich intensiver um PET zu kümmern. Bisher gibt es nur Fotos von verschiedenen Flaschen.

Einmal angefressen vom Thema Müll, interessierte uns inzwischen, welche Plastikmenge bei uns, zwei Erwachsenen, zwei Hunden und gelegentlichen Besucher_innen, anfällt. Soweit das mit unseren laienhaften Möglichkeiten überhaupt feststellbar ist. Und wie wir all die langlebigeren Gegenstände aus Plastik wie Gießkannen, Teigschaber, Steckdosenleisten, Verkleidungen von Wecker oder Handy und vieles mehr erfassen sollen, ist noch die große Frage.

Zunächst begannen wir mit eindeutigem Verpackungsmüll. Materialien, bei denen wir uns unsicher waren, kamen ebenso wie z.B. TetraPaks mit Plastikausgießern weiter in den Gelben Sack.

Hier das Ergebnis der ersten 14 Tage. Es sind knapp zwei Kilogramm.

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