Springe zum Inhalt

Mein Vater besucht mich und redet auf mich ein. Ich verstehe kein Wort und wundere mich über seine merkwürdige Kleidung. Seit wann trägt er denn Frack und Zylinder? Er sieht aus wie ein Zirkusdirektor. Plötzlich springt er auf, rennt durch die Krankenhausflure und wirft mit Pralinenschachteln von Lindt um sich.

Ich liege im Campingbus und habe vergessen, wohin wir in Urlaub fahren wollen. Eine junge Frau mit einer Punkfrisur sitzt neben mir und schmeißt mit Konfetti. Erst glaube ich, sie sei meine Nichte. Nach einer Weile bemerke ich die Verwechslung und zerbreche mir den Kopf darüber, warum wir eine Wildfremde mit in den Urlaub nehmen. Vielleicht ist sie ja eine Anhalterin. Eine ziemlich dreiste Person, denn plötzlich kippt sie das Konfetti eimerweise über mich, bis mein ganzer Körper in einer weichen bunten Papierwolke eingehüllt ist.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 2"

Es passiert beim Geschirrspülen. Als ich mit der rechten Hand einen Teller in den Geschirrkorb links neben dem Wasserbecken stellen will, spüre ich einen Stich im unteren Teil des Rückens. Keinen harmlosen Mückenstich, es fühlt sich eher an wie ein spitzes Messer.

"Hexenschuss", fährt mir sofort durch den Kopf und in Erinnerung an eine ähnliche Situation vor ungefähr zehn Jahren, gebe ich mir energisch den Befehl: "Gerade hinstellen und tief durchatmen!"

Kaum eine Minute später ist der Schmerz wieder abgeebbt, nichts tut mehr weh und ich kann mich ganz normal bewegen. Komisch. Ob das vielleicht etwas mit meinem Alter zu tun hat und allmählich nun  diverse Zipperlein kommen und gehen werden?

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen"

[Ungefähr seit Anfang des Sommers befinde ich mich in einer Phase, die ich nicht einmal richtig mit einem Begriff benennen kann. Am besten lässt sie sich vielleicht als eine Mischung aus Zorn, Resignation, Frust und Burnout beschreiben. Ähnliche Situationen hat es in meinem Leben schon ein paar Mal gegeben, und zwar immer dann, wenn ich das Gefühl kaum noch ertragen konnte, mich völlig sinnlos für bestimmte Dinge zu engagieren. Wozu weiter Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden, wo doch letztendlich alles beim Alten zu bleiben scheint? Oder manche Dinge sogar schlimmer statt besser werden?]

...weiterlesen "Die große Müdigkeit (3): #idpet"

[Ungefähr seit Anfang des Sommers befinde ich mich in einer Phase, die ich nicht einmal richtig mit einem Begriff benennen kann. Am besten lässt sie sich vielleicht als eine Mischung aus Zorn, Resignation, Frust und Burnout beschreiben. Ähnliche Situationen hat es in meinem Leben schon ein paar Mal gegeben, und zwar immer dann, wenn ich das Gefühl kaum noch ertragen konnte, mich völlig sinnlos für bestimmte Dinge zu engagieren. Wozu weiter Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden, wo doch letztendlich alles beim Alten zu bleiben scheint? Oder manche Dinge sogar schlimmer statt besser werden?]

...weiterlesen "Die große Müdigkeit (2): Facebook und der Goldene Medienpimmel"

Neulich flatterte mal wieder die Renteninformation ins Haus. Sie wird einmal im Jahr ungebeten zugestellt, wahrscheinlich, weil man Frauen wie mich daran erinnern will, dass unsere bisher erworbenen Rentenansprüche dereinst weder zum Leben noch zum Sterben reichen werden. Manchmal habe ich den Verdacht, beim Versand dieser Post schwingt unterschwellig die Hoffnung mit, vielleicht nehmen sie sich ja einen Strick, bevor sie gaga werden und der Allgemeinheit zur Last fallen.

Viele Jahre lang haben bei mir die Schreiben auch beinah ihr Ziel erreicht. Ein ums andere Mal überkam mich ein fürchterlich schlechtes Gewissen, weil mein bisheriges Berufsleben so chaotisch war und ist und meine Rentenanwartschaftszeiten voller Lücken sind. Das änderte sich erst, nachdem ich die Renteninformation der Liebsten zu Gesicht bekommen hatte. Im Gegensatz zu mir kann sie seit ihrem 18. Lebensjahr einen beinah lückenlosen Verlauf aufweisen. Trotzdem wird ihre Rente voraussichtlich kaum den Betrag der Grundsicherung übersteigen, denn in den ersten zwanzig Jahren verdiente sie gerade genug, um nicht zu verhungern oder zu erfrieren. Aus familiären Gründen örtlich fest (an)gebunden, musste sie ein Gehalt akzeptieren, das nach dem System „Egal, welche Qualifikation, Männer als momentane oder zukünftige Versorger einer Familie brauchen wesentlich mehr Geld als Frauen“ gezahlt wurde.

...weiterlesen "Lieber Pferdelasagne als Hunde- oder Katzenfutter?"

Vier Wochen sind seit Neunundsiebzigs Schlaganfall inzwischen vergangen und heute habe ich zum ersten Mal eine schriftliche Diagnose gesehen. Gleich als Erstes sticht mir der Begriff »adipositas per magna« ins Auge. Wie bitte? Zur Sicherheit sehe ich noch mal bei Wikipedia nach: Adipositas permagna oder morbide Adipositas, BMI  ≥ 40 … Übersetzt soll das wahrscheinlich heißen: Dicker geht’s nicht, Patientin steht bereits mit eineinhalb Beinen im Grab.

...weiterlesen "Die Würde des Menschen ist unantastbar"

Telefonanrufe sonntags morgens um halb sieben bedeuten in der Regel nichts Gutes. Neunundsiebzig war in der Nacht ins Krankenhaus gekommen, es besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Verschlafen, panisch und ungläubig zugleich höre ich zu, was der Bruder erzählt. Um 22 Uhr am Abend zuvor war der Notarzt das erste Mal bei ihr gewesen und hatte sie als verwirrt, aber körperlich gesund bezeichnet. Als er um 3 Uhr erneut gerufen wurde, erfolgte die Krankenhauseinweisung. Nicht etwa, weil er die Situation inzwischen anders einschätzte, sondern weil ihm von Einundachtzig nachdrücklich erklärt wurde, irgendwas stimme nicht. Wahrscheinlich befürchtete er, sonst in dieser Nacht noch ein drittes Mal gerufen zu werden.

...weiterlesen "Schlaganfall? 1"

Das Gespräch mit der zuständigen Ärztin war ganz gut gelaufen, wenigstens dachte ich das. Sie hatte Einundachtzigs Fragen ausführlich beantwortet und schien wirklich begriffen zu haben, dass Neunundsiebzigs momentane Verwirrung und der starre Blick nicht ihr Normalzustand sind. Doch keine fünf Minuten später wird klar, dass sie uns entweder nicht zugehört oder nichts verstanden hatte.

...weiterlesen "Schlaganfall? Schlaganfall! 2"

Gestern Abend wurde bei Günther Jauch über Altenpflege in Deutschland gesprochen. »Kostenfaktor Oma – wird Pflege unbezahlbar?« lautete der Titel der Sendung. Kam mir irgendwie bekannt vor, weshalb ich mir entgegen meiner sonstigen Gewohnheit – Jauch darf sonst eigentlich nicht auf unseren Bildschirm – heute früh die Wiederholung angesehen habe.

Die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt berichtete, was sich in den letzten Jahren gesetzlich bei der Pflege geändert habe und in Zukunft noch ändern werde: Von einem Kofferraum voller Formulare sei man inzwischen bei einer LKW Ladung gekommen und wollte zurück auf den Laderaum kleinen Busses oder so ungefähr wenigstens. Ein Herr Spahn von der CDU behauptete unverfroren, selbst wenn Oma sich das Pflegeheim nicht leisten könne, würden Angehörige nur in wenigen Ausnahmefällen finanziell herangezogen und diejenigen, die anderes behaupteten, hätten nur Angst um ihr Erbe. Ein Schweizer erzählte von seinem Altenheimprojekt in Thailand und ein Mann von den Gründen, weshalb seine Mutter in einem Heim in der Slowakei gepflegt wird. Bei einer Moderatorin wurde ständig eingeblendet: »Pflegte fünf Jahre ihre Großmutter«, richtiger wäre wohl gewesen: »Ließ die Großmutter bei sich wohnen und bezahlte die nötigen Pflegekräfte«. Der Leiter eines Altenheims versuchte … Ja, was? Spontan würde ich sagen, nicht auszuflippen, wenn das Gelabere von Schmidt und Spahn sowie Jauchs Fragen allzu realitätsfremd daherkamen.

...weiterlesen "Update: Billige Gefriertruhe für Oma gesucht"

Auf der Karnele werden Cookies gesetzt, z.B. von Anbietern verschiedener Wordpress Plugins und IONOS, dem Webhoster. Wenn Du hier weiterliest, akzeptierst Du deren Verwendung.