Keine Sympathie für den Streik der GDL

Bah, ich muss jetzt ein paar Sätze zu dem angekündigten Streik der GDL an diesem Wochenende loswerden, sonst platze ich.

Schon als kleines Kind habe ich von meinem Opa gelernt: Mit Streikenden solidarisch sein. Auch wenn sich in den all den Jahren vieles unglaublich verändert hat, habe ich immer noch die Stimme meines Opas im Kopf und eine automatische Solidarität im Gefühl. Weil bei uns politische Streiks verboten sind, kümmere ich mich erst gar nicht um Einzelheiten: Wenn gestreikt wird, geht es um höhere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen oder drohende Betriebsschließungen. Berechtigte Forderungen einer Belegschaft. Immer. Also streikt, zeigt es den bösen Kapitalisten!

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Die große Müdigkeit (3): #idpet

[Ungefähr seit Anfang des Sommers befinde ich mich in einer Phase, die ich nicht einmal richtig mit einem Begriff benennen kann. Am besten lässt sie sich vielleicht als eine Mischung aus Zorn, Resignation, Frust und Burnout beschreiben. Ähnliche Situationen hat es in meinem Leben schon ein paar Mal gegeben, und zwar immer dann, wenn ich das Gefühl kaum noch ertragen konnte, mich völlig sinnlos für bestimmte Dinge zu engagieren. Wozu weiter Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden, wo doch letztendlich alles beim Alten zu bleiben scheint? Oder manche Dinge sogar schlimmer statt besser werden?]

Vor ein paar Tagen hat der Petitionsausschuss im Landtag offiziell bekannt gegeben, dass die Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ (formal) keinen Einfluss auf den Bildungsplan haben wird: „… hat der Petent mit seinem Anliegen keinen Erfolg“.

Als Lesbe sollte ich darüber nur froh sein, als Demokratin überkommt mich großes Unbehagen. Auch wenn ein Großteil der Unterschriften nicht aus Baden-Württemberg stammte oder gefälscht war, bleiben immer noch ein mehrere Tausend stramme Evangelikale, Rechte und Konservative übrig, die hier leben. In den nächsten Jahren werden sie bei jeder neuen Petition laut fragen, weshalb X oder Y mit wesentlich weniger Unterschriften Gehör findet, während ihr Anliegen unter den Tisch gekehrt wurde? Die LSBTTIQ-Phobie, der Hass von #idpet wird uns also noch sehr lange erhalten bleiben und selbst dann noch Thema in den Medien und bei Teilen der Bevölkerung sein, wenn ein neuer Bildungsplan (egal mit welchen Inhalten) längst in Kraft ist: „Weißt du noch, damals, als wir 1 Million Unterschriften gesammelt haben und die grüne Regierung gesagt hat, es interessiert sie nicht, weil sie Angst vor der Homolobby hatte?“

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Die große Müdigkeit (2): Facebook und der Goldene Medienpimmel

[Ungefähr seit Anfang des Sommers befinde ich mich in einer Phase, die ich nicht einmal richtig mit einem Begriff benennen kann. Am besten lässt sie sich vielleicht als eine Mischung aus Zorn, Resignation, Frust und Burnout beschreiben. Ähnliche Situationen hat es in meinem Leben schon ein paar Mal gegeben, und zwar immer dann, wenn ich das Gefühl kaum noch ertragen konnte, mich völlig sinnlos für bestimmte Dinge zu engagieren. Wozu weiter Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden, wo doch letztendlich alles beim Alten zu bleiben scheint? Oder manche Dinge sogar schlimmer statt besser werden?]

Vor Kurzem habe ich in einem Wutanfall meinen Facebookaccount stillgelegt. Zunächst einmal vorübergehend. Ob ich ihn in absehbarer Zeit wieder aktivieren oder vielleicht doch irgendwann dauerhaft löschen werde, weiß ich im Moment noch nicht.

Im Grunde genommen habe ich mich mit facebook nie richtig anfreunden können und in den letzten Monaten auch immer seltener eingeloggt. Mir ist es dort einfach zu unübersichtlich und chaotisch. Obwohl ich mehrmals wirklich viel Zeit investiert habe, wollte es mir nie gelingen, wenigstens ein bisschen struktur in die Timeline zu bringen. Zwischen all den Katzen- und Blumenbildern und ausufernden Texten – Twitter ist mir u.a. auch wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen so sympathisch – übersah ich regelmäßig interessante Posts oder entdeckte sie erst Tage oder sogar Wochen später.

Trotzdem habe ich sehr lange versucht, mich irgendwie mit facebook zu arrangieren, denn was Antje Schrupp 2012 über dieses soziale Netzwerk geschrieben hat, ist auch heute noch aktuell. Viele Menschen aus meinem privaten und lesbischen Umfeld kann ich im Internet tatsächlich nur dort treffen und sonst an keiner anderen Stelle.

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Die große Müdigkeit (1): Wildschweine, Mais und Christbäume

[Ungefähr seit Anfang des Sommers befinde ich mich in einer Phase, die ich nicht einmal richtig mit einem Begriff benennen kann. Am besten lässt sie sich vielleicht als eine Mischung aus Zorn, Resignation, Frust und Burnout beschreiben. Ähnliche Situationen hat es in meinem Leben schon ein paar Mal gegeben, und zwar immer dann, wenn ich das Gefühl kaum noch ertragen konnte, mich völlig sinnlos für bestimmte Dinge zu engagieren. Wozu weiter Energie, Zeit und Nerven zu verschwenden, wo doch letztendlich alles beim Alten zu bleiben scheint? Oder manche Dinge sogar schlimmer statt besser werden?]

Momentan wird in Baden-Württemberg über ein neues Jagdgesetz gestritten. Gelegentlich werden Anmerkungen von mir zu diesem Thema falsch interpretiert und man hält mich für eine rigorose Gegnerin der Jagd. Das stimmt so nicht, ich bin nur für mehr Fairness, um es mal stark verkürzt auszudrücken. Wenn beispielsweise in einem harten Winter Wildschweine gefüttert werden und man anschließend über Wildschweinplagen jammert und deshalb höhere bzw. ganzjährige Abschusszahlen fordert, verlieren die Jäger_innen für mich jede Glaubwürdigkeit. Ihnen scheint es doch mehr um den Kick beim Schießen zu gehen, als um die Hege und Pflege von Wald und Wild.

Seit Jahren beobachte ich bei meinen Waldspaziergängen abseits der ausgewiesenen Touristenwanderwege, wie der Lebensraum des Wilds mehr und mehr eingeschränkt wird. Beinah jedes Mal entdecke ich entweder ein neues Maisfeld, das direkt bis an den Waldrand reicht und mit einem Elektrozaun umgeben ist, oder eine weitere Christbaumplantage mit Maschendrahtzaun, oder noch einen Jagdsitz, an dem riesige Plastikfässer mit Futter zum Kirren stehen. Besonders in der letzten Zeit fällt auch die Vermehrung der Überwachungskameras auf, deren Sinn sich an den jeweiligen Stellen mir nur selten erschließt. Hinzu kommen Schüsse, die gelegentlich zu hören sind und mir Angst machen. Deshalb gehen die Hunde und ich nur noch mit Signalwesten in den Wald.

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„Herr Ministerpräsident und Herr Minister haben mich gebeten, Ihnen zu antworten“

Der Brief lag schon seit dem 1. August im Mailfach, aber ich habe mich erst heute dazu überwinden können, ihn Wort für Wort zu lesen. Beim ersten Überfliegen vor zwei Wochen überkam mich das starke Bedürfnis, irgendwelche Vertreter_innen von Landesregierung und/oder deren Parteien anzubrüllen. Laut. Stundenlang. Und ziemlich egal welche, ganz nach dem alten Spruch meiner Oma: Alle in einen Sack stecken und draufhauen, es wird schon die Richtigen treffen.

Es gibt Dinge, die besser werden, wenn man sie eine Weile liegen lässt und ihnen Zeit gibt, sich zu entwickeln und zu reifen. Bei besagter Mail war das leider nicht der Fall, der Inhalt ist heute noch so mies wie bei ihrem Eintreffen. Aber irgendwann musste ich sie noch mal lesen, so zu tun, als sei sie nie angekommen, war leider keine Option. Bevor ich übermorgen bei CSD Darmstadt Kundgebung eine kleine Rede zum Motto „Ich hab´ nichts gegen die, aber …“ halte, sollte ich schon wissen, wie die baden-württembergische Landesregierung eigentlich auf meinen Brandbrief reagiert hat. Auch wenn Darmstadt in Hessen liegt.

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Depressionen und der verlogene Medienrummel

Aus aktuellem Anlass (Suizid Robin Williams und die Reaktionen) ein Blogpost vom 19. November 2009 sozusagen als Wiedervorlage.

 

Deutschland hat eine neue Krankheit entdeckt. Nach dem Selbstmord eines Torhüters interessiert sich kaum noch jemand für die Schweinegrippe und ihre möglichen Opfer. Nein, stattdessen ist die Depression in aller Munde und auf jedem Titelblatt. Von der Bundeskanzlerin bis zu dem allseits bekannten kleinen Mann auf der Straße hat sich inzwischen die ganze Nation eine dezidierte Meinung dazu gebildet. Dank des angeblich so informativen Medienrummels weiß man nun vom Bodensee bis Flensburg bestens über diese Krankheit Bescheid und darf jetzt endlich unter dem Deckmantel der Fürsorglichkeit ungestraft und hemmungslos darüber spekulieren, welcher Nachbar und welche Arbeitskollegin eigentlich ein Fall für die Klapsmühle wären.

Meine google Alerts zum Begriff Homosexualität erreichten in den letzten Tagen Trefferzahlen wie noch nie: Im Fußball sind Homosexualität und Depression derzeit die angesagten Geschichten, diese beiden Begriffe scheinen beliebig austauschbar und gleichzeitig eng miteinander verbunden. Bei mancher der Bemerkungen beschlich mich der Verdacht, hier wartet man gespannt auf den Selbstmord eines schwulen Fußballers, um das Thema weiter am Kochen halten zu können. Würde doch ein solcher Suizid wunderbar in die momentane allgemeine Nachrichtenlage passen … mit dem schwulen Außenminister und all den anderen Homosexuellen, die derzeit angeblich zur Macht streben. (mehr …)

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