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Es begann mit einer Kaffeeverpackung. Einer bereits leeren Verpackung. Rein zufällig hatte ich einen winzigen Zipfel der äußeren Beschichtung erwischt und versucht, die Verbundverpackung in Einzelteile zu zerlegen. Erst mit den Fingernägeln, dann mit Schere, Glasschaber, Papiermesser und weiteren spitzen Gegenständen. Es gelang mir nur zum Teil. Allerdings glaubte ich festgestellt zu haben, diese Kaffeeverpackung bestand aus Aluminium, Papier und Plastik.

Die Fachfrau aus der Druckbranche aka die Liebste widersprach mir. Das, was ich für Plastik gehalten hatte, sei mit der So-und-So-Technik auf speziellem So-So-Und-Papier mit der Maschine X von der Firma Y gedruckt worden. Deshalb handelt es sich dabei um Papier, auch wenn es sich wie Plastik anfühlt.

...weiterlesen "Von der Kaffeeverpackung über die blaue Tonne zum Plastikmüllberg"

Die Erste war Gabi gewesen, eine ehemalige Arbeitskollegin. Mit ihr hatte ich während der Raucherinnenpausen so wunderbar über die Zustände auf der Station fluchen können. Ab und zu zogen wir nach der Spätschicht im Auto erst mal einen Joint durch, während Janis Joplin aus den Lautsprechern dröhnte. Heute ist mir klar, von meiner Seite war es mehr als Freundschaft gewesen, ich hatte mich in sie verknallt. Damals hielt ich mich allerdings noch für eine lupenreine Hetera und verschwendete keinen Gedanken an eine mögliche Beziehung mit einer Frau.

Auch außerhalb der Arbeit verbrachten wir viel Zeit miteinander und konnten uns in den ländlichen Diskotheken bestens amüsieren. Bis wir dann eines Tages die Arbeitsstellen wechselten und nun mehrere hundert Kilometer auseinander wohnten. Anfangs hielten wir noch engen Kontakt, doch im Laufe der Zeit wurden die Anrufe und Briefe immer seltener, bis schließlich die Verbindung ganz abbrach.

...weiterlesen "Eine Oma ohne Haarknoddel denkt über Aids nach"

Vor Kurzem feierte die TAZ ihren 40. Geburtstag. Hätte ich nicht zufällig genau in dem Moment eingeschaltet, als im Frühstücksfernsehen darüber berichtet wurde, wäre dieser Jahrestag unbemerkt an mir vorbeigegangen. Wie leider so vieles andere auch, das vielleicht interessant oder wichtig für mich sein könnte, aber allzu oft den Konzentrationsstörungen, dem elenden Überbleibsel meiner Krankheit, zum Opfer fällt.

So lange ist das schon her?“, dachte ich verblüfft und sah mich vor meinem inneren Augen auf einem wackligen Stuhl in der Sonne sitzen. So klar und deutlich, als sei es gestern gewesen. Vor dem Haus unserer Kreuzberger WG, umgeben von Mitbewohner_innen und einigen Menschen aus der Nachbarschaft. Wir rissen uns die wenigen Seiten einer der ersten TAZ Ausgaben gegenseitig aus den Händen, lasen daraus vor und amüsierten uns köstlich.

...weiterlesen "Wie wir mal versuchten, die TAZ zu abonnieren"

Kein Streuselkuchen, sondern eine Überraschungstorte. Wunderschön und lecker.

Geplant hatten wir, einfach nur ein Formular zu unterschreiben, um aus der Eingetragenen Lebenspartnerschaft eine Ehe zu machen. Doch der zuständige Standesbeamte wollte sich wohl die Gelegenheit seiner ersten Lesbenhochzeit nicht entgehen lassen und so wurde es wider Erwarten doch noch ziemlich feierlich.

...weiterlesen "Torte, Torte, Streuselkuchen. Lesben heiraten dreimal (2)"

Im Jahr 1995, also vor 22 Jahren, beschlossen die Liebste und ich zu heiraten. Gesetzlich war das damals nicht möglich, selbst die Eingetragene Lebenspartnerschaft lag noch in weiter Ferne. Ein befreundeter evangelischer Pfarrer kam uns zu Hilfe und schlug eine Segnung vor. Er überließ es uns, wie die Zeremonie gestaltet werden sollte: öffentlich mit großem Tamtam oder eher still im kleinen Kreis. Wir entschieden uns für die zweite Möglichkeit. Einerseits war es natürlich verlockend, ein politisches Zeichen zu setzen, anderseits sollte unser ganz persönliches Jawort nicht zu einer Zirkusveranstaltung ausarten. Außerdem wollten wir dem Pfarrer nicht mehr Schwierigkeiten bereiten, als unbedingt nötig. Viele Menschen wussten davon, es gab ein großes Fest, aber keine_r hat ihn verraten.

...weiterlesen "Torte, Torte, Streuselkuchen. Lesben heiraten dreimal (1)"

Auf stern.de wurde gestern Nachmittag bereits die Eheöffnung im September gefeiert. Der Herbst werde zur neuen Hochzeitssaison für Lesben, Schwule und Bisexuelle hieß es. Dabei konnte sich zu diesem Zeitpunkt Angela Merkel noch gar nicht eine "freie Abstimmung" vorstellen. Das passierte erst ein paar Stunden später.

...weiterlesen "Neongelbe Zebrastreifen oder Eheöffnung?"

Gestern gab es im Stuttgarter Landtag eine Kasperletheatervorstellung vom Feinsten: Die SPD Fraktion stellte den Antrag, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen. Es handelte sich um einen rein symbolischen Akt ohne irgendwelche Konsequenzen. Genauso gut hätte man darüber abstimmen können, ob Nacktschnecken einen großen Bogen um unser Dorf machen sollen oder Angela Merkel karierte Blazer besser stehen als Gestreifte.

Also stellt sich die Frage, was hat sich die Partei bei dieser Zeit- und Energieverschwendung gedacht?

...weiterlesen "SPD Kasperletheater im Stuttgarter Landtag"

Der Vorfall mit der Schwester der Sozialstation hat mich nicht nur wütend und traurig zugleich gemacht, sondern mir auch den nötigen Energieschub verpasst, mich endlich einmal selbst mit meinen Krankenakten zu beschäftigen. Bisher hatte ich mich davor gescheut, sie mir näher anzusehen. Mir hatte der Mut gefehlt, denn ich wollte gar nicht so genau wissen, was darin steht und hatte es der Liebsten überlassen, sie zusammenzutragen, zu lesen und ordnen.

...weiterlesen "Krankes Gesundheitswesen 9"