„Herr Ministerpräsident und Herr Minister haben mich gebeten, Ihnen zu antworten“

Der Brief lag schon seit dem 1. August im Mailfach, aber ich habe mich erst heute dazu überwinden können, ihn Wort für Wort zu lesen. Beim ersten Überfliegen vor zwei Wochen überkam mich das starke Bedürfnis, irgendwelche Vertreter_innen von Landesregierung und/oder deren Parteien anzubrüllen. Laut. Stundenlang. Und ziemlich egal welche, ganz nach dem alten Spruch meiner Oma: Alle in einen Sack stecken und draufhauen, es wird schon die Richtigen treffen.

Es gibt Dinge, die besser werden, wenn man sie eine Weile liegen lässt und ihnen Zeit gibt, sich zu entwickeln und zu reifen. Bei besagter Mail war das leider nicht der Fall, der Inhalt ist heute noch so mies wie bei ihrem Eintreffen. Aber irgendwann musste ich sie noch mal lesen, so zu tun, als sei sie nie angekommen, war leider keine Option. Bevor ich übermorgen bei CSD Darmstadt Kundgebung eine kleine Rede zum Motto „Ich hab´ nichts gegen die, aber …“ halte, sollte ich schon wissen, wie die baden-württembergische Landesregierung eigentlich auf meinen Brandbrief reagiert hat. Auch wenn Darmstadt in Hessen liegt.

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Depressionen und der verlogene Medienrummel

Aus aktuellem Anlass (Suizid Robin Williams und die Reaktionen) ein Blogpost vom 19. November 2009 sozusagen als Wiedervorlage.

 

Deutschland hat eine neue Krankheit entdeckt. Nach dem Selbstmord eines Torhüters interessiert sich kaum noch jemand für die Schweinegrippe und ihre möglichen Opfer. Nein, stattdessen ist die Depression in aller Munde und auf jedem Titelblatt. Von der Bundeskanzlerin bis zu dem allseits bekannten kleinen Mann auf der Straße hat sich inzwischen die ganze Nation eine dezidierte Meinung dazu gebildet. Dank des angeblich so informativen Medienrummels weiß man nun vom Bodensee bis Flensburg bestens über diese Krankheit Bescheid und darf jetzt endlich unter dem Deckmantel der Fürsorglichkeit ungestraft und hemmungslos darüber spekulieren, welcher Nachbar und welche Arbeitskollegin eigentlich ein Fall für die Klapsmühle wären.

Meine google Alerts zum Begriff Homosexualität erreichten in den letzten Tagen Trefferzahlen wie noch nie: Im Fußball sind Homosexualität und Depression derzeit die angesagten Geschichten, diese beiden Begriffe scheinen beliebig austauschbar und gleichzeitig eng miteinander verbunden. Bei mancher der Bemerkungen beschlich mich der Verdacht, hier wartet man gespannt auf den Selbstmord eines schwulen Fußballers, um das Thema weiter am Kochen halten zu können. Würde doch ein solcher Suizid wunderbar in die momentane allgemeine Nachrichtenlage passen … mit dem schwulen Außenminister und all den anderen Homosexuellen, die derzeit angeblich zur Macht streben. (mehr …)

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Dental Dams statt Kondome, denn Lesben haben keinen Sex mit Männern!

Strunzdumme Artikel, die mir am frühen Morgen schon die erste Tasse Kaffee versauen, nur weil ich wider besseres Wissen es nicht lassen kann, sie zu lesen. Wahrscheinlich werde ich es bis an mein Lebensende nicht mehr lernen, mir eine Welt als Ponyhof zusammenzuträumen. Stattdessen würde ich gern beinah jeden Tag aufs Neue am Kronleuchter schaukeln … den wir leider nicht haben, weil die Deckenhöhe in unserem alten Häuschen kaum mehr als zwei Meter beträgt. In Teppichkanten zu beißen, ist ebenfalls keine Option, aus Allergiegründen liegen bei uns nirgends Teppiche, noch nicht einmal Läufer. Mir bleibt immer wieder nur, meinen Kopf auf die Tischkante zu hauen und später hier auf dem Blog meinem Ärger Luft zu machen.

HIV und Aids, ich war Anfang zwanzig, als ich das erste Mal davon hörte. In den Medien war damals von der „Schwulenpest“ zu lesen, höchst ansteckend, unheilbar und tödlich. Absurderweise gehörte der Bhagwan, jener Guru aus Poona, der jahrelang den freien Sex gepredigt hatte, mit zu den Ersten, die die Gefährlichkeit erkannten. Seine Jünger_innen sollten von einem Tag auf den anderen enthaltsam leben und sich nur noch mit Gummihandschuhen gegenseitig berühren. Oder so ähnlich.

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Umtausch ohne Kassenbon ausgeschlossen?

Heute früh sprach im ZDF Morgenmagazin Lisa Görgen von „Save the Children“ mit Dunja Hayali über die Situation der Kinder in Gaza. „Solche Erlebnisse prägen jeden Menschen, aber Kinder prägen die fürs Leben“, sagte sie und ergänzte: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“.

Unsere Alters-, Senioren und Pflegeheime sind voll mit Menschen, die den 2. Weltkrieg als Kinder erlebt und erlitten haben. Bomben, Minen, Bunker, Flucht und Tote waren für sie so normal gewesen wie heute Lego, Barbie und Playmobil. Jede_r Altenpfleger_in könnte wahrscheinlich aus dem Stegreif stundenlang Vorträge über die Spätfolgen einer solchen Kindheit halten und von den seelischen Trümmern meiner Generation, von uns Kindern der Kriegskinder, will ich hier erst gar nicht anfangen. Dennoch taten die beiden Frauen so, als sei dieses Thema in Deutschland unbekannt und fremd, als hätten die Zuschauer_innen keine Ahnung davon.

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Von der Tante, die Spaß an Faschingsumzügen hatte

Am Wochenende haben wir uns zwei Staffeln von Brothers & Sisters angesehen. In einer der ersten Folgen beschwert sich die Mutter (Sally Field), weil ihr schwuler Sohn sich weigert, sie mit zum CSD zu nehmen. Später ist die Rede davon, dass die Mutter als Mitglied eines Vereins oder einer Gruppe „Eltern von lesbisch-schwulen Kindern“ beim CSD mitgelaufen sei.

Am 9. August wird der CSD Rhein-Neckar unter dem diesjährigen Motto „Different Not Dangerous!“ wieder durch die Mannheimer Quadrate ziehen. Obwohl es sich sozusagen um unseren regionalen CSD handelt, sind die Liebste und ich erst einmal dabei gewesen. Der Augusttermin lag und liegt einfach sehr ungünstig und passt(e) nie in unsere Zeitplanung. Trotzdem haben wir in einem Schatzkästle Kondome, Streichholzschachteln, Aufkleber, Bonbons und noch mehr Kleinigkeiten, die jedes Jahr von den teilnehmenden Gruppen aus dem Rhein-Neckar-Raum unters Volk gebracht wurden.

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Frauen und Lesben und Heten. Ein Listenproblem mit der Sichtbarkeit.

„Ich habe Dich im Morgenradio gehört. Was für ein Rumgejammere. Typisch Frau! Ihr Lesben taucht doch jeden Tag in den Zeitungen auf!“ Das ist eine knappe Zusammenfassung von drei Mails, die gestern bei mir ankamen. Bereinigt von Schimpfwörtern, Fäkaliensprache und Rechtschreibfehlern.

Bei der Ersten und Zweiten glaubte ich noch eine Verwechslung oder eine mir bisher unbekannte und unverständliche Variante der Trollerei. Ich bin zwar vergesslich, aber an ein Gespräch, das ich am Morgen in einem Radio geführt haben soll, würde mich mittags trotzdem noch erinnern. Hoffe ich wenigstens.

Erst nach der dritten Mail googelte ich nach Morgenradio und fand schließlich bei Radio Dreyeckland das Interview, das Franziska mit mir auf dem Lady*fest Heidelberg geführt hat. Mir war nicht klar gewesen, dass die Freien Radios ihre Beiträge untereinander austauschen. Gegen eine größere Reichweite gibt es auch überhaupt nichts einzuwenden, es hätte mir nur etwas Grübelei gespart, wenn ich von dem Sendetermin gewusst hätte.

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Fußball-Länderspiele als Kriegsersatz in Friedenszeiten

Nein, Fußball interessiert mich nicht besonders, und seit meine Oma tot ist, bekomme ich von Ereignissen wie zum Beispiel der Männerfußball WM in Brasilien nur noch ziemlich wenig mit. Völlig konnte ein Mensch natürlich nicht dem medialen Dauertrommelfeuer der letzten Wochen entgehen, außer man hätte sich irgendwo im tiefen Wald eine Hütte gebaut und dort ohne Radio, TV, Zeitungen, Internet und gesangsfreudige Nachbarn gelebt.

An die WM 2006 in Deutschland kann ich mich trotz meines Desinteresse noch sehr gut erinnern. In jenen Wochen fand unser Umzug in den Odenwald statt. Wegen der Renovierung vor dem Einzug verbrachten wir viel Zeit mit Pendeln zwischen unserem ehemaligen Wohnort und dem Häuschen hier. Mindestens zweimal gerieten wir dabei unbeabsichtigt mitten in Autokorsos, weil die deutsche Mannschaft gerade ein Spiel gewonnen hatte.

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